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APA-Artikel 22. Juni 2012

Klinikbetreiber Helios kündigt "vorsorglich" 1.000 Mitarbeitern

In dem seit Monaten andauernden Tarifkonflikt bei der zum Helios-Klinikkonzern gehörenden ehemaligen Damp-Firmengruppe in Norddeutschland spitzt sich die Lage zu. Helios kündigte am Freitag an, 1.000 Mitarbeiter der Zentralen Service-Gesellschaft (ZSG) "vorsorglich" zu kündigen. Die ZSG sei wegen eines von der Gewerkschaft ver.di verkündeten unbefristeten Streiks nicht mehr in der Lage, die vertraglich vereinbarten Leistungen zu erfüllen; diese müssten nun anderweitig vergeben werden. ver.di kritisierte dies als Erpressungsversuch.

Die ZSG erbringt Serviceleistungen - etwa im Reinigungs- und Verpflegungsbereich - für die Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen der Helios-Gruppe. Bei der Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der früheren Damp-Gruppe in der vergangenen Woche habe sich Verdi geweigert, die Streiks während der Gespräche auszusetzen, erklärte Helios. Daher hätten die Kliniken die Verträge mit der konzerneigenen ZSG zum 31. Juli gekündigt. Die ZSG könne daher nicht mehr sicherstellen, ihre Mitarbeiter weiter zu beschäftigen.

Die Kündigungen seien allerdings nur vorsorglich ausgesprochen worden, betonte Helios-Regionalgeschäftsführer Nord-West, Jörg Reschke, in Hamburg. Sollte der Streit um den Streik bis Ende Juli beigelegt sein, "werden wir die Situation neu bewerten und die Rücknahme der Kündigungen prüfen".

ver.di warf dem Helios-Konzern vor, den Mitarbeitern mit den Kündigungen einen Streikverzicht abpressen zu wollen. Das Vorgehen sei "erkennbar rechtswidrig", die Begründung "an den Haaren herbeigezogen", erklärte Ellen Paschke, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft, in Berlin. Es gebe gar keine Handhabe für fristlose Kündigungen.

Helios hatte die Damp-Gruppe im März übernommen. Dazu gehören elf Krankenhäuser und Reha-Kliniken in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg. Insgesamt beschäftigt die Gruppe nach Gewerkschaftsangaben rund 5.600 Mitarbeiter. ver.di und Arbeitgeberseite verhandeln bereits seit längerem erfolglos über einen Tarifvertrag, vor wenigen Tagen sprachen sich 86 Prozent der ver.di-Mitglieder bei einer Urabstimmung für einen unbefristeten Streik aus. ver.di fordert für alle Beschäftigten unter anderem 7,5 Prozent mehr Gehalt.

Helios gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius. Der Klinikkonzern betreibt deutschlandweit mehr als 100 Krankenhäuser, Rehakliniken, Versorgungszentren und Pflegeeinrichtungen. 2011 erwirtschaftete Helios nach eigenen Angaben einen Umsatz von 2,7 Milliarden Euro und beschäftigte mehr als 43.000 Mitarbeiter.

apa.at

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