zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 15. Juni 2012

ELGA-Kampagne: Ärztekammer setzt auf sachliche Informationen für Patienten

Die Wiener Ärztekammer startet demnächst ihre groß angelegte Informationskampagne "ELGA? So nicht!". Patienten sollen darüber informiert werden, dass im Falle der Realisierung von ELGA in der zuletzt vorgelegten Form der Datenschutz nicht 100-prozentig gewährleistet wäre. Und auch die Kosten sowie die fehlende Kosten-Nutzen-Berechnung sind Teil der Informationsoffensive.

 

"Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen, weil derzeit zahlreiche wichtige Projekte für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung liegen bleiben, im Gegenzug aber Millionen in das 'Daten-Abenteuer ELGA' investieren werden", kritisiert Wiens Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres.

Ihn stört vor allem, dass nach wie vor eine exakte Kosten-Nutzen-Berechnung fehle. "Die Erfahrungen aus Ländern wie Großbritannien und Deutschland zeigen, dass dort ähnliche Projekte zum Millionengrab verkommen sind. Nur in Österreich hält man an ELGA fest, und das trotz der Bedenken von Ärzten, Datenschützern und Verfassungsrechtlern."

Schwerpunkt der Kampagne ist die aus Sicht der Ärztekammer nach wie vor nicht garantierte Datensicherheit. Szekeres: "Die Patienten müssen wissen, dass im derzeitigen Entwurf viel zu viele Personen, die nicht per Gesetz der Verschwiegenheitspflicht unterliegen, Zugang zu den Patientenakten bekommen werden."

In diesem Zusammenhang kritisiert Szekeres, dass die Patienten derzeit oft mit Halbwahrheiten und Beschwichtigungen abgespeist und daher bewusst nicht informiert würden, welche Gefahren auf sie zukämen, wenn heikelste gesundheitsbezogene Daten in falsche Hände gerieten.

Datenmissbrauch beim Namen nennen

Wie sehr mit falschen Informationen agiert wird, zeigt auch die aktuelle Aussendung des niederösterreichischen Patientenanwalts Gerald Bachinger, in der er der Ärztekammer "gravierende Lücken im Umgang mit Patientendaten" vorwirft. Bachinger spielte dabei auf eine Softwarefirma an, die Tiroler Ärztinnen und Ärzten Geld für Diagnose- und Behandlungsdaten ihrer Patienten angeboten hat.

Gerade die Ärztekammer sei es gewesen, die mittels mehrfacher Informationsschreiben alle Ärztinnen und Ärzte darüber informiert habe, dass eine solche Datenweitergabe rechtlich nicht zulässig sei und unter keinen Umständen gemacht werden dürfe, so Szekeres. Daraus der Ärztekammer nun die Aushöhlung des Datenschutzes vorzuwerfen, sei die Verkehrung von Tatsachen, passe aber "ansonsten ganz gut in die Desinformationspolitik der IT-gläubigen ELGA-Befürworter".

Szekeres fordert Bachinger auf, die angeführten Fälle von Datenmissbrauch beim Namen zu nennen und bei den zuständigen Stellen anzuzeigen. Pauschale Verdächtigungen als Argument in eine inhaltliche Diskussion zu bringen, sei jedenfalls der falsche Weg. Gerade er als Anwalt der Patienten müsse es sich zur Aufgabe machen, das Missbrauchspotenzial so gering wie möglich zu halten und alle ELGA skeptischen Akteure zu unterstützen, so Szekeres.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben