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APA-Artikel 14. Juni 2012

Neuer Wirkstoff gegen "Krankenhaus-Durchfall"

Eigentlich begibt man sich in ein Spital, um zu genesen. Im Krankenhaus erworbene Infektionen wie Clostridium-difficile-Infektionen (CDI), auch bekannt unter der Bezeichnung Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhoe (CDAD), breiten sich allerdings gerade in dieser Umgebung rasch aus. Sie gefährden besonders vorbelastete Personen, wie Experten im Rahmen eines Pressetermins am Donnerstag im Wien schilderten. Um die 1.300 Todesfälle dürfte es in Österreich pro Jahr geben. Seit Monatsbeginn kann ein neues Medikament erstmals im klinischen Alltag eingesetzt werden.

Gesunde Erwachsene tragen den Erreger meist völlig ohne Probleme oder Symptome in sich. Fortgeschrittenes Alter, die Einnahme von Antibiotika, eine Lungen-, Nieren- oder Zuckerkrankheit können das Risiko einer schweren CDI-Erkrankung jedoch verdreifachen. Vorbelasteten Patienten machen die Symptome Durchfall, Bauchkrämpfe und Fieber so sehr zu schaffen, dass die Erkrankung bis zum Tod führen kann. Die Gründe dafür sind vielfältig, der Kampf gegen den Erreger ebenso. Bisher wurde das Risiko allerdings meist unterschätzt. Auch die Präventions- und Hygienemaßnahmen in Gesundheitseinrichtungen sind optimierbar, erläuterten die Mediziner. Das Bakterium kann sich besonders leicht ausbreiten und seine resistenten Sporen überleben oft monatelang. Selbst Desinfektionsmittel und Handreiniger auf Alkoholbasis können ihnen nur wenig anhaben.

Laut dem Salzburger Krankenhaushygieniker Markus Hell betragen die geschätzten Kosten für CDI in Gesamt-Europa jährlich geschätzt drei Milliarden Euro. Die Zahl der Todesfälle in Österreich wird mit etwa 1.300 jährlich angegeben. Das mit 1. Juni in Österreich eingeführte makrozyklische Antibiotikum Dificlir des Anbieters Astellas verspricht eine anhaltende Heilung ohne Rückfall. Bis dato konnte der schwere Durchfall kaum mit einer einmaligen Therapie geheilt werden, was sowohl zu hohen Kosten als auch großen körperlichen Belastungen für die Betroffenen führte.

Infektions- und Tropenmediziner Christoph Wenisch geht davon aus, dass mit dem neuen Wirkstoff Fidaxomicin trotz höherer Kosten für das Präparat selbst um die drei Millionen Euro eingespart werden können. "Eine Milchmädchen-Rechnung, die auf Fakten beruht", betonte er. Die Einsparungen ergeben sich vor allem durch den kürzeren Spitalsaufenthalt aufgrund der hohen klinischen Heilungsrate und der signifikant geringeren Rückfallquote.

Der Mediziner Hell plädierte darüber hinaus dafür, die Aufmerksamkeit der Ärzte gezielt auf diese Problematik zu lenken, die Diagnostik zu forcieren und zu verfeinern. Der gefährlichen Darminfektionen besser Herr würde man auch durch einen restriktiveren Einsatz von Antibiotika, die meist die Darmflora stark angreifen. Darüber hinaus führe kein Weg an einer strikten Umsetzung von Hygienemaßnahmen vorbei, um eine Übertragung und Ausbrüche möglichst im Vorfeld zu verhindern.

apa.at

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