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APA-Artikel 14. Juni 2012

Gesundheitsreform: Ärztekammer sieht einige Schwachstellen

Das gestern, Mittwoch, präsentierte gesundheitspolitische Übereinkommen zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung mit dem Versuch einer Kostenbremse im Gesundheitsbereich ist für Wiens Ärztekammerpräsidenten Thomas Szekeres zwar "prinzipiell nachvollziehbar". Trotzdem sieht Szekeres noch einige Schwachstellen. An erster Stelle nennt er hier die "möglichen Einsparungen am Rücken der Patienten".

 

Vor allem die komplizierte regionale Finanzierung sei zu hinterfragen, wie auch die zwingend auf acht Jahre geplante Kopplung an eine fiktive Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von 3,6 Prozent, denn: "Was passiert, wenn sich das Bruttoninlandsprodukt schwächer entwickelt?"

Seriöse Vorhersagen des Wirtschaftswachstums auf so viele Jahre seien "schlicht und einfach nicht möglich", der kontinuierliche medizinische Fortschritt sowie die demografische Entwicklung in der Bevölkerung seien aber Realität. Menschen würden älter und benötigten in höherem Alter auch mehr medizinische Leistungen. Und gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten leide die Gesundheit der Menschen im Besonderen.

Für Szekeres ist nicht klar, wie man bei schwachem Wirtschaftswachstum Rationierungen verhindern könne. Vorprogrammierte Einsparungen führten automatisch zu Leistungsreduktionen: "Wo beginnt man damit? Wird es weniger Transplantationen geben, oder weniger künstliche Gelenke? Weniger wohnortnahe Versorgung, oder eine Reduktion der Vertragsärzte?" Dies seien die "entscheidenden, aber letztlich ungeklärten" Fragen.

Der Ärztekammerchef befürchtet, dass sowohl der Spitalsbereich als auch der niedergelassene Bereich hinuntergefahren werde und die Patienten im öffentlichen System kaum mehr Behandlungsmöglichkeiten vorfinden könnten. In diesem Zusammenhang weist Szekeres auch auf das vor Kurzem präsentierte Konzept der Ärztekammer hin, den ambulanten Spitalsbereich und den niedergelassenen Bereich zukünftig aus einer Hand, nämlich durch die Sozialversicherung, zu finanzieren.

Laut Szekeres müsse aber zu allererst geklärt werden, wo welche Leistung medizinisch besser und volkswirtschaftlich sinnvoller erbracht werden könnte. Dies könne regional durchaus unterschiedlich zu beurteilen sein. Wenig Sinn mache es jedenfalls, Leistungen, die im niedergelassenen Bereich gut erbracht werden könnten, in Universitätsspitälern anzubieten. "Andere Leistungen, wie beispielsweise die unfallchirurgische Versorgung, werden aber auch in Zukunft im Spital besser aufgehoben sein." Hier gelte es, eine klare Abgrenzung vorzunehmen, so Szekeres.

apa.at

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