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APA-Artikel 13. Juni 2012

NÖ Ärzte "keine Lückenbüßer für Fehler im Gesundheitswesen"

"Es steht unseren demokratisch legitimierten Volksvertretern natürlich frei, die finanziellen Mittel für Gesundheitsversorgung zu limitieren", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer. "Aber sie sollen dafür auch die Verantwortung übernehmen und nicht der Ärzteschaft den "schwarzen Peter" zuschieben."

Präsident Dr. Reisner verweist auf die demografischen Gegebenheiten, die aus medizinischer Sicht nicht mit der geplanten Gesundheitsreform in Einklang zu bringen sind: "Die Lebenserwartung steigt, die Behandlungsmethoden werden immer besser. Heutzutage sind Krankheiten leicht heilbar, die vor wenigen Jahren noch mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich waren. Es ist logisch, dass diese Verbesserungen immer mehr Geld kosten. Und wer die finanziellen Mittel im öffentlichen Gesundheitssystem derartig reglementiert, nimmt dem Bürger immer mehr den Zugang zur Medizin."

Bereits heute fehlt Geld im Gesundheitssystem

Die Pläne zur Gesundheitsreform beinhalten eine Ausgabenobergrenze sowie eine jährliche maximale Steigerungsrate. "Bereits heute ist für jeden zu spüren, dass zu wenig Mittel im System sind. Die Wartezeiten auf Arzttermine und Operationen steigen stetig. Die Bereitschaft zur Kostenrückerstattung hingegen sinkt. Das wird mit einer derart strengen Ausgabenlimitierung noch verschärft", ist sich Präsident Dr. Reisner sicher. Gesundheitsminister Alois Stöger verteidigt hingegen die Mittwoch bei einer Pressekonferenz vorgestellten Pläne: "Mit dieser Reform können wir die Kostensteigerungsraten beschränken, aber nicht das System zu Tode sparen. Und Leistungskürzungen wird es, im Gegensatz zu anderen EU-Ländern, nicht geben."

Allfälligen Plänen, die Ärzteschaft für die Ausgabensteigerung verantwortlich und damit haftbar zu machen, erteilt Präsident Dr. Reisner bereits heute eine Absage: "Sollten Modelle wie in manchen Nachbarländern angedacht werden, wonach Ärztinnen und Ärzte ab einem bestimmten Patientenaufkommen gratis arbeiten oder die Medikamente für Patientinnen und Patienten selbst zahlen müssen, werden wir in Niederösterreich nicht mitgehen und alle Hebel in Bewegung setzen, um eine Verschlechterung unseres Gesundheitssystems zu verhindern."

Ärztinnen und Ärzte lassen sich nicht zu Prügelknaben einer mangelhaften Verwaltung machen

"Die Sozialversicherungen und die Länder sind für die Finanzierung der Gesundheitsversorgung verantwortlich, nicht wir", so der Ärztekammerpräsident weiter. "Wir Ärztinnen und Ärzte stehen für die Versorgung mit moderner Spitzenmedizin bereit, lassen uns aber nicht zu Prügelknaben einer fehlerhaften Verwaltung machen. Wenn diese Versorgung künftig nicht mehr bezahlt werden soll, ist das eine Entscheidung der Politik. Dann soll diese aber bitte auch die Verantwortung dafür tragen."

Dass die finanzielle Situation derart angespannt ist, wundert Präsident Dr. Reisner jedoch nicht: "Neben der bereits heute unerträglichen Bürokratie fehlt es an sinnvollen Steuerungsmechanismen für die Patientenströme. Alle Gesundheitsökonomen der Welt wissen, dass eine gute Basisversorgung etwa beim Hausarzt am sinnvollsten ist. Stattdessen werden die politischen Weichen seit Jahren so gestellt, dass die Menschen in die Spitalsambulanzen getrieben werden."

apa.at

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