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APA-Artikel 12. Juni 2012

aktion leben: Bluttest setzt schwangere Frauen unter Druck

"Wir sind als Menschen dem nicht gewachsen, was die Wissenschaft uns in die Hände legt", sagt Dr. Getraude Steindl, Präsidentin der aktion leben österreich, zur angekündigten Markteinführung eines Bluttests der Firma Life Codexx in Deutschland. Dieser Bluttest lässt aus wenigen Tropfen Blut der schwangeren Frau erkennen, ob das Kind eine Behinderung wie Trisomie 21 in sich trägt. Eine weitere Verschärfung des Entscheidungsdrucks bringt die neueste wissenschaftliche Entwicklung, die aus Bluttropfen der Mutter und dem Speichel des Vaters annähernd 3.000 genetische Erkrankungen wird nachweisen können.

"Der Bluttest birgt zwar kein Risiko einer Fehlgeburt, seine Folgen sind aber weitreichend", so Dr. Getraude Steindl. "Mit dieser Möglichkeit, werden schwangere Frauen und ihre Partner mehrfach unter Druck gesetzt, ein perfektes Kind zur Welt zu bringen: Zum einen sich testen zu lassen und zum anderen bei einem auffälligen Befund die Schwangerschaft abbrechen zu lassen." Dadurch kommt es von Beginn an zu einer erheblichen Störung der frühen Mutter-Kind-Bindung.

Gesellschaft muss Folgen tragen

Bei allen Vorteilen, die dieser Bluttest hat, überwiegen die Nachteile. Steindl: "Dieses Diagnoseverfahren nötigt eine Entscheidung ab, die einerseits individuell getroffen werden muss, andererseits aber nicht mehr in der Autonomie des Einzelnen liegt. Denn die Folgen müssen von der Gesellschaft als Ganze getragen werden."

Down Syndrom verschwindet aus Gesellschaft

Den Aussagen von BefürworterInnen des Tests, dass es keinesfalls um Schwangerschaftsabbrüche, sondern um frühzeitige medizinische Hilfe geht, setzt Steindl entgegen: "Eltern, die so viel Geld für einen Test ausgeben, möchten die Gewissheit, ein Kind ohne Behinderung zu bekommen." Bereits jetzt kämen 90 Prozent der Kinder mit Down Syndrom nicht auf die Welt. Es sei zu befürchten, dass diese Zahl durch den Bluttest steigt.

Bluttest führt zu Zweiklassen-Medizin

Weiters zeigt Steindl auf, dass der Bluttest zu einer Zweiklassen-Medizin führen wird: "In Deutschland soll ein Bluttest 1.400 Euro kosten. Diesen Betrag werden sich nur wohlhabende Frauen leisten können, da er zunächst nicht von den Krankenkassen übernommen wird."

apa.at

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