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APA-Artikel 8. Juni 2012

E-Medikation - Rasinger: Vernünftig, aber bürokratisch aufgesetzt

ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger hat zur E-Medikation eine differenzierte Meinung. "Die E-Medikation ist an sich ein vernünftiges Projekt. Es ist leider unter keinem guten Stern gestanden, weil es sehr bürokratisch aufgesetzt wurde", erklärte Rasinger am Rande der österreichischen Ärztetage in Grado. Die Hauptlast käme bei einer Realisierung in geeigneter Form auf die Apotheker zu.

Der Hintergrund: Seit dem Jahr 2001 gibt es in Österreich die Idee einer Verbesserung der Arzneimittelsicherheit für Konsumenten - zunächst via Speicherung der verschriebenen bzw. abgegebenen Medikamente auf einer Service-Card, dann über ein Netzwerk zwischen Ärzten, Apotheken und Spitälern. Was zunächst ein Projekt der Apotheker war, wurde zu einem Plan für das gesamte Gesundheitswesen. Die Einbindung in die geplante elektronische Gesundheitsakte ELGA stellte einen Konnex mit noch härteren Diskussionen - vor allem mit der niedergelassenen Ärzteschaft - her. Die Evaluierung eines Pilotprojekts im Vorjahr hat ergeben, dass die E-Medikation umgesetzt werden soll, allerdings sind einige Verbesserungen nötig.

Rasinger: "Vernünftig ist das Ziel, vor allem Arzneimittel-Wechselwirkungen zu verringern. Wenn vor allem ältere Patienten zum Beispiel 16 verschiedene Medikamente verschrieben bekommen, steigt die Zahl der möglichen Neben- und Wechselwirkungen auf um die 50 an." Für den ÖVP-Gesundheitssprecher ist das Projekt "unter keinem guten Stern gestanden, weil es sehr bürokratisch aufgesetzt wurde." Er will aber trotzdem daran festhalten: "Ich glaube, dass das Projekt sehr wertvoll wäre. Gesundheitsminister Alois Stöger (S) sollte blitzschnell eine gesetzliche Grundlage vorlegen." Hier sei eine eigene gesetzliche Grundlage neben jener für ELGA vorzusehen. Stöger hatte vorige Woche einen überarbeiteten ELGA-Gesetzesentwurf vorgelegt, in dem auch die E-Medikation geregelt ist.

Die Hauptlast der E-Medikation werde bei den Apothekern - ausschließlich bei den Pharmazeuten - liegen. "Vor allem muss die E-Medikation in den Apotheken lückenlos durchgeführt werden. Da kann die pharmazeutische Hilfskraft nicht einfach ein Aspirin über die Budel reichen", ist Rasinger, selbst niedergelassener Allgemeinmediziner in Wien, überzeugt. "Nur eine vollständige Abgabedatenbank, in die ich als Arzt einsehen kann, erfüllt den Zweck. Die Patienten holen ja nur 80 bis 90 Prozent der von den Ärzten verschriebenen Arzneimittel überhaupt ab." Und dann ginge es um die zusätzlich gekauften, rezeptfreien Arzneimittel. Der VP-Gesundheitssprecher: "Im E-Medikations-Pilotversuch war die am häufigsten aufgefallene kritische Arzneimittelkombination jene von Marcoumar (rezeptpflichtig zur Blutverdünnung bei Vorhofflimmern etc.) und von Aspirin (rezeptfrei, ebenfalls gerinnungshemmend, Anm.)."

Natürlich hätten die Ärzte jetzt schon in den Ordinationen bei der Verschreibung von Arzneimitteln Interaktionsdatenbanken in ihrer EDV-Software, doch entscheidend seien die Apotheken: "Das ist der entscheidende Drehpunkt. Dort muss sich der Patient identifizieren. Der Apotheker muss beraten. Der Apotheker muss das erste Neben- und Wechselwirkungsscreening bei der Abgabe von Arzneimitteln durchführen und er muss nachweislich den Arzt verständigen, wenn es potenzielle Probleme gibt." Den Ärzten müsse man freistellen, welche Nebenwirkungs-Datenbanken sie verwendeten: "Das kann man nicht per Gesetz vorschreiben. Es gibt bessere als jene, die beim E-Medikations-Pilotversuch verwendet wurde."

Doch die E-Medikation sei nur ein Bestandteil, nicht der Ersatz für andere Maßnahmen zur Hebung der Arzneimittelsicherheit, was Neben- und Wechselwirkungen angehe, so der VP-Gesundheitssprecher: "Im Spital werden die meisten Mehrfachverschreibungen von Arzneimitteln getätigt. Das erfolgt bei Patienten, die eine koronare Herzkrankheit, eine Herzschwäche, hohen Blutdruck, Diabetes, Demenz, Nierenfunktionseinschränkung, chronisches Kreuzweh, Arthrosen etc. zusammen haben. Da geht es darum, dass die Patienten mit einer Medikation entlassen werden, die möglichst nebenwirkungs- und wechselwirkungsarm ist." Deshalb sind für Rasinger zuvorderst die Spitäler am Zug: "Hier sind in den Krankenhäusern Klinische Pharmazeuten notwendig, welche die Medikation koordinieren und optimieren. Im SMZ-Ost in Wien als Vorreiter gibt es vier davon, in ganz Österreich bei 270 Spitälern aber nur 30. Es ist nicht die E-Medikation allein."

apa.at

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