zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 6. Juni 2012

Wiener Spitalsärzte geschlossen gegen Elektronische Gesundheitsakte

Die Mandatare der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien haben sich gestern, Dienstag, Abend einstimmig gegen die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) in der derzeitigen Form ausgesprochen. Als Hauptgründe wurden die fehlende Datensicherheit sowie die damit verbundene Gefährdung der Patienten genannt.

 

Wie Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres am Rande der Kuriensitzung betonte, sei Datensicherheit bei einem System, bei dem bis zu 100.000 Gesundheitsdiensteanbieter Zugang zu sämtlichen Krankenakten aller Österreicher hätten, grundsätzlich zu hinterfragen, denn es handle sich dabei "um die sensibelsten Daten, die es über einen Menschen überhaupt geben kann". Besonders heikel sei ELGA aufgrund der verpflichtenden Teilnahme für Patienten und Gesundheitsdiensteanbieter wie Ärztinnen und Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken.

Der Ärztekammerpräsident verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Expertise des unabhängigen Experten Wolfgang Dorda von der Abteilung Medizinische Informations- und Auswertesysteme der Medizinischen Universität Wien hinsichtlich der E-Medikation als integraler Bestandteil von ELGA, wonach "die Mehrheit der Gesundheitsdiensteanbieter mit dem Antwortzeitverhalten und der Softwarequalität ihres E-Medikationsmoduls unzufrieden war". Bei 13.797 Abgaben habe es 10.563 Warnungen gegeben. Für Szekeres ist das "nicht praktikabel".

Bessere Usability gefordert

Auch Dorda fordert, ähnlich wie die Ärztekammer, eine Reimplementierung dieses Moduls, um kürzere Antwortzeiten, eine bessere Softwarequalität sowie eine höhere Benutzerfreundlichkeit zu erreichen. Weiters hinterfragt Dorda die verpflichtende Teilnahme für Ärztinnen und Ärzte sowie Patienten. Dordas Studienergebnisse müssten Berücksichtigung finden, insbesondere da sie von der ELGA GmbH selbst beauftragt wurden, betont Szekeres.

Oberstes Gebot müsse es sein, dem Patienten freizustellen, ob er seine Daten herausgeben möchte oder nicht. Mit dieser Forderung folge die Ärztekammer im Übrigen den Expertenmeinungen von Verfassungsrechtlern und Datenschützern, so Szekeres, der auch darauf verweist, dass schon jetzt alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte über Medikamenten-Wechselwirkungsprogramme in den Ordinationen verfügten. Dafür brauche es ELGA nicht, so der Ärztekammerpräsident abschließend.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben