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APA-Artikel 5. Juni 2012

Neuer Chef der Innsbrucker Kinderklinik sieht "viele Baustellen"

 

Der neue Leiter der Innsbrucker Kinderklinik, Gerhard Gaedicke, sieht "so viele Baustellen", dass er manchmal gar nicht weiß, wo er zuerst anfangen soll. Das erklärte der seit Mitte März an der Klinik tätige Mediziner bei einer Pressekonferenz in Innsbruck.

 

Die Klinik war im vergangenen Jahr nach Behandlungsfehlern schwer in die Kritik geraten. Zu den bekanntgewordenen Fällen wolle der 68-jährige gebürtige Villacher und langjährige Chef der Allgemeinen Pädiatrie an der Charite Berlin keine Auskunft geben, weil es sich um gerichtsanhängige Verfahren handle.

Verkettung von unglücklichen Umständen

Es gebe aber erfahrungsgemäß in solchen Fällen nicht einen einzigen Schuldigen, sondern meistens eine "Verkettung von unglücklichen Umständen", meinte Gaedicke. Die Kommunikation zwischen der Klinik und Eltern müsse eine offene sein. "Eltern haben mitunter Angst ihre Unzufriedenheit zu artikulieren, solange ihr Kind stationär in Behandlung ist. Das darf nicht passieren", erklärte der 68-Jährige. Schwächen habe es vor allem "im Ablauf" gegeben. Man könne ihn auch an den Wochenenden anrufen und er sehe dann auch selber nach schwer kranken Kindern. "Das scheint man nicht gewohnt gewesen zu sein", meinte Gaedicke.

Es hätten sich zudem "Kleingartengrenzen" gebildet, die man aber nun im Zuge der neuen Struktur wieder in normale Verhältnisse zurückführe. "Ich spüre den Willen zur Veränderung. Die Klinik ist zu klein, um für alle alle Spezialgebiete eigene Abteilungen zu haben", erklärte der neue Klinik-Chef. Die Kooperation zwischen den Abteilungen sei vom ersten Tag an intensiviert worden, die "abteilungsübergreifende Ausbildungsrotation" stelle dabei ein wichtige Element dar. Er wolle auch im ambulanten Bereich die Versorgung so optimieren, dass auch die Allgemeinambulanzen gut laufen, versprach Gaedicke.

Fünf Jahre, um Ruhe hineinzubringen

Gaedicke kündigte an, seinen auf fünf Jahre geschlossenen Vertrag erfüllen zu wollen. Man werde sich aber auch rechtzeitig nach einem Nachfolger umsehen, meinte er. "Ich brauche fünf Jahre, um Ruhe ins Schiff zu kriegen und es auf Kurs zu bringen. Denn dass der Kurs nicht gestimmt hat, ist für mich erkennbar gewesen", erklärte Gaedicke. Es seien "kleine Königreiche" an der Klinik entstanden, die dann zusammengefallen seien - "wie beim Zerfall des Römischen Reiches", so der geschäftsführende Direktor.

Die Klinik habe einfach in den vergangenen Jahren "im Hinblick auf die Leitungsebene Pech gehabt", das habe ihr auf Dauer nicht gut getan. Es hätte bereits vor 20 Jahren eine Umstrukturierung geben müssen, spielte Gaedicke auf die vor kurzem vollzogene formelle Umsetzung der neuen Struktur an der Kinderklinik mit der Reduktion der Kinder- und Jugendheilkunde von fünf auf drei Kliniken an.

Der neue Leiter betonte, die Innsbrucker Kinderklinik sei "kein sinkendes Schiff". Es handle sich um eine der "schönsten Kinderkliniken im deutschsprachigen Raum" mit "tollen, hoch spezialisierten Mitarbeitern", die gut aufgestellt"sei und sich durchaus im internationalen Bereich messen könne.

apa.at

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