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APA-Artikel 4. Juni 2012

Wien und Niederösterreich: Gemeinsam für die Gesundheit der regionalen Bevölkerung

Die Länder Wien und Niederösterreich arbeiten eng zusammen, um die beste Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung in der Ostregion Österreichs anbieten zu können. In einer gemeinsamen Pressekonferenz am Montag nahmen die Wiener Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely und der niederösterreichische Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka zu aktuellen gesundheitspolitischen Themen Stellung.

 

"Für die Länder ist es von Bedeutung, ob jemand, der in Purkersdorf wohnt, etwa im Falle einer notwendigen Transplantation von den Wiener Gesundheitseinrichtungen versorgt wird - oder, wenn sich eine Wienerin beim Wandern auf der Rax das Bein bricht und in Niederösterreich behandelt wird. All das führt zu zahlreichen Fragestellungen, etwa im Bereich der Finanzierung. Für die betroffenen Menschen sind diese Fragen bedeutungslos - sie erwarten sich zu Recht, immer mit den jeweils besten zur Verfügung stehenden Mitteln behandelt zu werden. In unserer Region ist es daher selbstverständlich, dass der Gesundheitsbereich kooperiert, wo auch immer es nötig ist", so Wehsely und Sobotka unisono.

Diese Zusammenarbeit umfasse den gemeinsamen Einsatz für gesundheitspolitisch einheitliche Positionen gegenüber den anderen Playern im Gesundheitswesen, dem Bund und dem Hauptverband, einen nach Möglichkeit unbürokratischen Umgang mit Landesgrenzen überschreitenden Gesundheitsfragen im stationären wie im Notfallbereich - und letztlich oft gemeinsame Lösungen, etwa Verträge, zum Wohle der PatientInnen.

Die Mauern niederreißen die Grenzen respektieren

Das österreichische Gesundheitswesen ist traditionell durch viele Mauern zwischen den unterschiedlichen Bereichen gekennzeichnet. Wörtlich bildet sich das in der Unterscheidung der intramuralen (im Spital) und extramuralen Versorgung (im niedergelassenen Bereich) ab. Ebensolche Abgrenzungen gibt es zwischen den Bundesländern untereinander sowie gegenüber dem Bund, gegenüber den Sozialversicherungen und den zahlreichen Interessenvertretungen. Seit Frühjahr 2011 arbeiten daher die Länder gemeinsam mit dem Bund und dem Hauptverband im Rahmen eines sechsköpfigen politischen Gremiums für eine umfassende Gesundheitsreform. Wehsely vertritt hier gemeinsam mit Landeshauptmann Josef Pühringer die Länder.

"Aktuell sieht es danach aus, als befänden wir uns in der Zielgeraden. Es wäre ein Riesenerfolg, wenn wir jetzt eine umfassende Gesundheitsreform erreichen. Damit würden die Mauern im Gesundheitsbereich niedergerissen und dennoch die Grenzen respektiert", so Wehsely. "Es geht um eine gemeinsame Planung, gemeinsame Steuerung und gemeinsame Finanzierungsverantwortung", unterstrich die Gesundheitsstadträtin.

Das Motto 'Mauern niederreißen' sollte auch für ELGA gelten, aus Sicht Wiens und Niederösterreichs sollte der Gesetzesentwurf umgehend dem österreichischen Nationalrat zugeleitet werden. ELGA steht für die Verbesserung des Gesundheitssystems im Interesse der PatientInnen, für den Austausch von Gesundheits- und Behandlungsdaten, damit nicht Medikamente verschrieben werden, die mit anderen nicht zusammen passen - und letztlich steht ELGA auch für Qualitätssicherung im gesamten Gesundheitswesen. "Auf dieser Linie muss die Lokomotive noch stärker unter Dampf gesetzt werden. Es kann nicht sein, dass die Länder seit Jahr und Tag Vorleistungen für ELGA erbringen, sprich: Länge mal Breite zahlen - und der Gesetzesentwurf gemächlich auf Eis gebettet wird", stellte Wehsely klar. Im KAV sind verbundweite PatientInnenauskünfte möglich. Diese werden laufend erweitert. Derzeit können PatientInnenbriefe, Laborbefunde, Röntgenbefunde, Pathologiebefunde sowie Spezialbefunde, z.B. Endoskopie, eingesehen werden.

Niederösterreich hat bereits im Jahr 2011 die Konsequenzen aus dem zögerlichen Fortschritt der Verhandlungen gezogen und innerhalb der NÖ Landeskliniken-Holding den NÖ ELGA eingeführt. In ELGA werden Dokumente und Befunde gespeichert, sofern sie für die Behandlung und Betreuung der PatientInnen relevant sind; zB Labor- und Radiologiebefunde, Entlassungsbriefe oder Medikationsdaten. Durch die Vermeidung von Mehrfachuntersuchungen und die Verringerung der Wartezeiten durch die rasche Verfügbarkeit der Daten kommt es zu einer deutlichen Steigerung der Behandlungsqualität. Und für die Ärztinnen und Ärzte kommt es zu einer effizienteren, auf die medizinische Behandlung fokussierte Arbeitsweise.

"Internationale Fallstudien bestätigen, dass Ärztinnen und Ärzte durch den Entfall des administrativen Aufwands für die Beschaffung und Erfassung benötigter Dokumente mit einem Zeitgewinn von ca. zwei Stunden pro Woche profitieren" betonte Wolfgang Sobotka.

Das System kommt, solange die gesetzlichen Fragen auf Bundesebene nicht gelöst sind, in der NÖ Landeskliniken-Holding zum Einsatz und entspricht allen nationalen und internationalen Standards. Ein Zusammenschluss mit den in Entwicklung befindlichen ELGA-Systemen anderer Spitalsbetreiber kann somit rasch erfolgen.

Im Notfall wird unbürokratisch gehandelt

In der stationären Versorgung und im Notfallbereich ist klar, dass das PatientInnenwohl vor allen anderen Überlegungen zu stehen hat. Rund 20 Prozent der PatientInnen in KAV-Spitälern kommen daher nicht aus Wien, in einzelnen Bereichen reicht dieser Prozentsatz deutlich über ein Drittel hinaus. Der Anteil niederösterreichischer PatientInnen bewegt sich durchschnittlich um die 16 Prozent. Besonders häufig kommt die Unterstützung bei der Behandlung von Kindern zum Tragen, natürlich aber auch bei Transplantationen. Kommt es bei großen Unfallereignissen zu einem erhöhten Bedarf, wird jederzeit und schnellstmöglich geholfen.

Auch die Rettungsorganisationen von Wien und Niederösterreich arbeiten zum Wohle der Patientinnen und Patienten beider Bundesländer seit Jahren auf vielen Ebenen eng zusammen. "Gerade die Kooperation im notfallmedizinischen Bereich zeigt die grenzüberschreitende Versorgungssicherheit. Gesundheit macht in unserer Region nicht an Ländergrenzen Halt", so Sobotka.

Im Zuge "gegenseitiger Nachbarschaftshilfe" der Rettungsdienste der beiden Bundesländer wird auf allen Ebenen eng kooperiert. So findet zum Beispiel bei grenznahen Notfällen eine intensive Zusammenarbeit statt. Vor allem bei Großschäden oder, wenn sich ein Rettungsmittel aus dem jeweils anderen Bundesland gerade näher am Notfallort befindet, hilft man sich welchselseitig. Um in diesen Fällen eine reibungslose Zusammenarbeit sicherzustellen, wird bereits im Vorfeld bei der Notrufannahme die rasche Weitergabe der Anrufe gewährleistet. Die technischen Voraussetzungen dafür wurden in einem gemeinsamen Projekt der Leitstellen aus Wien und Niederösterreich ausgearbeitet und funktionieren reibungslos. "AnruferInnen werden, unabhängig von ihrem Standort, unterstützt und müssen nicht weiter verbunden werden. Es entsteht für die Betroffenen kein Zeitverlust", stellte Wehsely klar.

Eine weitere Maßnahme wurde gemeinsam von der Wiener Rettungsleitstelle und der Landesklinikenholding Niederösterreich erarbeitet: In Fällen, in denen beispielsweise ein niederösterreichischer Rettungswagen eine Patientin oder einen Patienten in ein Wiener Krankenhaus bringt, ist sichergestellt, dass dieses Fahrzeug von der Wiener Leitstelle in der Folge dann als "First Responder" direkt zu einem Notfall in Wien weiter geschickt werden kann. Dies erhöht die notfallmedizinische Versorgungssicherheit der Bevölkerung. "Die entstehenden Kosten für die Notfallunterstützung der Menschen aus dem jeweils anderen Teil der Region verrechnen wir einander nicht", so Sobotka.

Gemeinsame Lösungen zum Wohle der Patienten

"Gemeinsame Lösungen statt Engstirnigkeit, das ist auch das Credo bei der Zusammenarbeit von Wien und Niederösterreich im Bereich der Flugrettung. Dabei brauchen wir das Gemeinsame gar nicht vor das Trennende zu stellen - das Trennende ist ohnedies sehr überschaubar", so Wehsely und Sobotka abschließend. Anfang 2011 wurde ein gemeinsamer Vertrag der beiden Bundesländer erarbeitet. Der Wiener Rettungshubschrauber Christophorus 9 versorgt somit die Stadt Wien, die umliegenden niederösterreichischen Gemeinden sowie das gesamte Weinviertel. Das Personal und Equipment werden dabei von der Wiener Berufsrettung gestellt, der Hubschrauber und der Pilot gehören dem ÖAMTC. Sollte sich der Christophorus 9 bei einem Einsatz in Niederösterreich befinden, so stehen in Krems und Wiener Neustadt zwei weitere Rettungshubschrauber für Einsätze im Wiener Stadtgebiet jederzeit zur Verfügung.

apa.at

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