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APA-Artikel 30. Mai 2012

LKH-Universitäts-Klinikum Graz beschreitet neue Wege in der Patientenbetreuung

Als erstes Krankenhaus in Österreich (und zweites Krankenhaus im gesamten deutschsprachigen Raum) setzt das LKH-Universitäts-Klinikum Graz das 2011 vorgestellte EIT- (Elektrische Impedanztomografie-) Gerät Dräger PulmoVista 500 ein. Damit kann die Klinik eine Vorreiterrolle in wichtigen Bereichen der Intensivmedizin, im Rahmen bildgebender Verfahren in der Kinderradiologie sowie bei der Betreuung von Spitzensportlern einnehmen.

PulmoVista 500 ist das erste für den klinischen Alltag entwickelte EIT-Gerät, mit dem der Mediziner direkt am Patientenbett sieht, wie sich die Beatmung in der Lunge regional verteilt. Mit bis zu 50 Bildern pro Sekunde kann der Arzt die Auswirkungen der Intensivbeatmung in Echtzeit mitverfolgen. Auf diesen Bildern können die Atmung beobachtet und der Luftgehalt der Lunge sowie die regionale Verteilung erfasst werden. "Buchstäblich", so Univ.-Prof. Dr. Erich Sorantin, suppl. Leiter der Klinischen Abteilung für Kinderradiologie an der Univ. Klinik für Radiologie, "kann der Arzt auf diese Weise Patienten beim Atmen zusehen." Die Elektrische Impedanztomografie macht sich den Umstand zu nutze, dass sich die elektrische Leitfähigkeit der Lunge abhängig vom Luftgehalt ändert. Da das nicht-invasive EIT-Verfahren ohne Röntgenstrahlung arbeitet, unterstützt es ein nebenwirkungsfreies Beatmungs-Monitoring.

Einsatzmöglichkeiten der EIT

"Die Vorteile der EIT für Patient und Arzt liegen auf der Hand", erklärt Prof. Dr. Gerfried Zobel, Leiter der Gemeinsamen Einrichtung Intensivstation der Univ. Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde. "Die Beatmung kann optimal an den Patienten angepasst werden, und die Auswirkungen der Veränderungen an den Einstellungen des Beatmungsgeräts können sofort und in Echtzeit überprüft werden. Besonders für Kinder sind Untersuchungen, die am Krankenbett möglich sind, von großem Vorteil. Zudem bietet die Methode eine wertvolle Hilfestellung bei verschiedenen Therapiemaßnahmen wie Inhalieren und Absaugen sowie bei der Lagerungsoptimierung", so der Experte weiter.

Bislang waren nur wenige, von akademischen Zentren angefertigte EIT-Prototypen verfügbar. Auch Sorantin und Zobel haben im Jahr 2003 einen solchen gebaut. "Nun", so Sorantin, "ist mit dem Dräger PulmoVista 500 ein Hightech-Gerät im Einsatz. Die Anschaffung des PulmoVista 500 wurde aus dem Forschungsbudget der Medizinischen Universität Graz finanziert."

Das Gerät wird nicht nur auf den Intensivstationen des Kinderzentrums eingesetzt, sondern passt auch perfekt zu den Initiativen der bildgebenden Verfahren der Klinischen Abteilung für Kinderradiologie. Deren Leiter, Sorantin, berichtet: "Wir haben an der Klinischen Abteilung für Kinderradiologie ein Infrarotverfahren zur Atemregistrierung entwickelt. Teile davon versuchen wir gerade zu patentieren. Das EIT-Verfahren passt dabei zu hundert Prozent in unser Portfolio."

Neue Forschungsansätze

"Durch die Möglichkeit beim Atmen zusehen zu können, erwarten wir uns neue Erkenntnisse über den Verlauf chronischer Erkrankungen wie Asthma Bronchiale oder zystischer Fibrose und deren Ansprechen auf die Therapie", so Sorantin. "Die Therapie kann damit bettseitig überwacht werden und Röntgenuntersuchungen können eventuell reduziert werden. Die neuen Einblicke und Erkenntnisse sind natürlich auch vom wissenschaftlichen Standpunkt hochinteressant, da wir die Dynamik der Atmung studieren und diese in Zahlen erfassen können."

"Auch Fragen der pulmonalen Leistungsbegrenzung bei Spitzensportlern sollen unter Einsatz des Dräger PulmoVista 500 untersucht werden", betont Univ.-Prof. Dr. Peter Schober, Leiter der Sportmedizinischen Untersuchungsstelle des Landes Steiermark an der Univ. Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie. Er erklärt dazu: "Bei Sportlern wurde bis jetzt angenommen, dass die Lunge, sofern gesund, nie der limitierende Faktor für die Leistungsfähigkeit ist. Vielleicht können wir mit unseren Untersuchungsergebnissen dieses Dogma widerlegen und beispielsweise neue Trainingsansätze für Schwimmer oder die Optimierung der Sitzposition bei Radrennfahrern entwickeln."

apa.at

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