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APA-Artikel 25. Mai 2012

Hildesheimer Arzt soll Schilddrüsen-Patienten falsch behandelt haben

Ein Nuklearmediziner in Hildesheim soll Patienten mit Schilddrüsenerkrankung jahrelang mit einer unnötigen Therapie behandelt haben. So habe er Menschen das lebenswichtige Organ zerstört, berichteten am Donnerstag das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und das ARD-Magazin "Monitor". Die Landesärztekammer Niedersachsen leitete wegen Qualitätsmängeln Untersuchungen ein, stellte diese aber nach dem Tod des Mediziners im Februar zunächst wieder ein. Inzwischen hat sich die Kammer erneut des Falles angenommen, nachdem eine Praxisvertretung des Arztes Alarm schlug.

Der Mediziner arbeitete als Belegarzt in der Klinik - er hatte eine eigene Praxis, mietete im Krankenhaus aber für seine Patienten Räume für stationäre Behandlungen. Das Motiv für das Handeln des Arztes ist unklar. Der "Spiegel" berichtete, mit den sogenannten Radiojodtherapien könne pro Patient 3000 Euro verdient werden. Diese Therapie sei bei einer Vergrößerung der Schilddrüse angemessen, bei einer bloßen Entzündung aber falsch, weil das Organ dadurch zerstört werden könne.

Der Sprecher der betroffenen Rhön-Klinik in Hildesheim sagte der Nachrichtenagentur dpa, wie viele Menschen betroffen sein könnten, sei noch unklar. Die Klinik werde bei der Aufklärung des Falles von unabhängigen Nuklearmedizinern unterstützt. Bisher hätten sich 53 ehemalige Patienten gemeldet. "Wir werden die Akten durchgehen und jeden einzelnen Patienten, der infrage kommt, kontaktieren", sagte der Kliniksprecher. Der Rhön-Konzern, Besitzer der Hildesheimer Klinik, erklärte nach Angaben des ARD-Magazins "Monitor", es würden nun alle Radiojodtherapien der vergangenen vier Jahre im Klinikum Hildesheim untersucht - betroffen seien rund 2000 Patienten.

"Monitor" berichtete weiter, die Ärztekammer Niedersachsen habe in einer Stichprobe die Unterlagen von 17 Patienten aus dem Klinikum Hildesheim ausgewertet. Danach sei die Therapie bei einem Kranken klar falsch und bei drei weiteren fragwürdig gewesen. Darüber hinaus komme die Kammer zu dem Schluss, es habe eine bewusste und erschreckende Manipulation von Laborwerten gegeben. Die Untersuchungsergebnisse seien an die Klinik, aber auch an die Staatsanwaltschaft gegangen.

apa.at

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