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APA-Artikel 23. Mai 2012

Spitäler wollen die Fallpauschalen verbessern

Für den Spitalverband H+ ist die Einführung der Fallpauschalen ein Erfolg. Dennoch ortet er noch zahlreiche Baustellen: von fehlenden Verträgen bis zu «kantonalem Protektionismus». Mitunter bekommen auch die Patienten das neue System zu spüren - etwa in der Reha.

«Ein Erfolg» seien die Anfang Jahr eingeführten Fallpauschalen, sagte H+-Präsident Charles Favre am Dienstag vor den Medien in Bern. Die technische Einführung sei praktisch reibungslos verlaufen, die Umstellung habe für die meisten Kantone kaum Veränderungen gebracht, und für die Patienten gebe es keinen Unterschied.

Die Liste mit Problemen, die H+ im neuen System SwissDRG ortet, ist gleichwohl lang. Schwierig sind laut Favre vor allem die Preisverhandlungen. Während mit den Krankenkassen Helsana, Sanitas und KPT zahlreiche Verträge bestünden, gebe es noch kaum welche mit Kassen, die der santésuisse-Tochter tarifsuisse angeschlossen seien. Deshalb müsse vielerorts mit provisorischen Tarifen abgerechnet werden.

«Wildwuchs» in den Kantonen

Unzufrieden sind die Spitäler auch mit den kantonalen Regelungen. Favre sprach von einem «Wildwuchs» bei den Referenztarifen und von «kantonalem Protektionismus». Weil nicht alle Kantone gleich viel bezahlen, wenn sich ihre Patienten in einem anderen Kanton behandeln lassen, funktioniere die freie Spitalwahl teilweise schlecht. Man habe sich deswegen bereits an Gesundheitsminister Alain Berset gewandt.

Probleme gebe es beispielsweise in den beiden Basel, präzisierte H+-Direktor Bernhard Wegmüller. Ebenso in St. Gallen und Umgebung, weil St. Gallen im Vergleich zu anderen Kantonen einen tieferen Referenztarif hat.

Kritik wurde auch an die Adresse der Krankenkassen laut. H+- Vizepräsident Werner Kübler beobachtet in seiner Funktion als Direktor des Universitätsspitals Basel, dass die Versicherer oft bei unauffälligen Rechnungen nachprüfen und dabei «wenig Know-how» an den Tag legen. Ein weiteres Problem sieht Kübler im Abgeltungssystem, das zu wenig zwischen komplexen und einfacheren Behandlungen unterscheide.

Schreckgespenst blutige Entlassung

Die Vertreter der Spitäler legen Wert darauf, dass Patientinnen und Patienten wegen der Fallpauschalen nicht schlechter behandelt werden. Die beste medizinische Behandlung habe nach wie vor oberste Priorität, und Patienten würden nicht vorzeitig entlassen. Das «Schreckgespenst blutige Entlassung» sei nicht aufgetreten, sagte H+- Vizepräsident Matthias Mühlheim.

Trotzdem bekommen Patientinnen und Patienten die Auswirkungen der Fallpauschalen mitunter direkt zu spüren, wie die Vertreter der Spitäler anhand einzelner Beispiele aufzeigten. Vizepräsident Mühlheim etwa beobachtet in seiner Funktion als administrativer Direktor der Reha Rheinfelden AG, dass Patienten teilweise später in die Reha eingeliefert als vor den Fallpauschalen - obwohl die Pauschalen für die Rehakliniken nicht gelten.

Laut Mühlheim liegt dies daran, dass die Kassen den über DRG finanzierten Aufenthalt im Spital möglichst ausnützen wollen. Die Patienten früher in die Reha zu überweisen, würde laut Mühlheim medizinisch oft Sinn machen, wäre aber teurer. Zudem würden in den Akutspitälern zum Teil die Nebendiagnosen «etwas vernachlässigt», weil sie sich auf die Hauptdiagnose gemäss DRG fokussierten.

Patienten zur Kasse gebeten

Ein anderes Beispiel betrifft die kantonalen Bestimmungen darüber, welche Leistungen im eigenen und welche auch in einem anderen Kanton übernommen werden. Laut Werner Kübler vom Unispital Basel können die «Nebenwirkungen» dieser Regelungen dazu führen, dass ein einfacher Herzschrittmacher für eine Herzkammer nur im Wohnsitzkanton bezahlt werde, die komplexere Operation für einen Schrittmacher für zwei Kammern hingegen auch ausserkantonal.

Im Einzelfall könne dies dazu führen, dass der Patient die Differenz bezahlen müsse, wenn er vorgängig nicht darüber informiert war und die Kosten nicht voll gedeckt sind.

Seit 1. Januar 2012 werden Spitäler für ihre Leistungen mit diagnosebezogenen Fallpauschalen bezahlt. Damit sollen ihre Preise und Leistungen besser miteinander verglichen werden können. Dieses System ist Teil der neuen Spitalfinanzierung.

apa.at

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