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APA-Artikel 10. Mai 2012

Gesundheitsberufe - NÖ Ärztekammer und AKNÖ sehen steigende Belastung

Zu wenig Personal bei gleichzeitig wachsenden Patientenzahlen: Die Arbeitsdichte im Gesundheits- und Sozialbereich steige kontinuierlich an, verwiesen Vertreter von NÖ Ärztekammer und Arbeiterkammer bei einem Pressegespräch am Donnerstag in St. Pölten auf sich "drastisch" verschärfende Belastungen - belegt durch eine Studie, wonach ein Drittel der Ärzteschaft kurz vor einem Burn-out stehe. Die Studie über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten wurde im Rahmen der vor zwei Jahren gestarteten Kooperation zwischen den beiden Kammern erstellt.

"Wir haben eines der besten Gesundheitssystem der Welt, aber auch die Titanic war eines der besten Schiffe ihrer Zeit", sah Ronald Gallob, Ärztekammer-Vizepräsident und Kurienobmann der angestellten Ärzte, "Eisberge vor der Tür". Er forderte vom Land als Spitalserhalter u.a. eine Aufstockung des Personals, planbare Arbeitszeiten und eine neue Gehaltsarchitektur, die auch ohne beträchtliche Sonderzahlungen zu einer leistungsgerechten Entlohnung führt.

"Reformwille des Landes NÖ auf dem Prüfstand" lautete der Titel des Pressegesprächs. Seit Monaten sei man im Gespräch für ein neues Spitalsärztegesetz - "nicht als Gehaltsverhandler, sondern als Experten", betonte Gallob und bezeichnete es als positiv, dass sich nun Landeshauptmann Erwin Pröll (V) persönlich in den Diskurs eingeschaltet habe.

Unterbesetzt

Im Pflegebereich seien 450 bis 500 Dienstposten unbesetzt, weil etwa bei Karenzen oder längeren Krankenständen nicht nachbesetzt werde, auch 2013 sei eine Nullpersonalrunde in den Krankenhäusern und Pflegeheimen vorgesehen, meinte AKNÖ-Vizepräsidentin Brigitte Adler, selbst diplomierte Krankenschwester. Das belegte sie mit der Aussage, dass der Personalbudget der Landeskliniken-Holding 2009 um 37 und im Vorjahr um 16 Mio. Euro unterschritten worden sei. "Noch" seien die Patienten - wie jährliche Umfragen zeigen - hoch zufrieden, sprach Adler aber von "Alarmsignalen", dass die Belastung zulasten der Qualität gehen könnte.

1990 wurden in niederösterreichischen Spitälern knapp 258.000 Patienten betreut, 2010 waren es mehr als 386.000, wurde die Entwicklung beleuchtet. In Zahlen wollten aber beide das Verlangen nach mehr Personal nicht festmachen: Es gehe um Kosteneffizienz durch Organisation, so Gallob. Adler führte als Beispiel an, dass es keine Stationssekretärinnen gebe, diese aber den diplomierten Krankenschwestern Büroarbeit und Telefonate abnehmen könnten.

"Wir wollen nicht lamentieren, wir sind besorgt", verwies Gallob auf die Notwendigkeit einer verbesserten Family-Work-Balance, Adler auf die hohen Krankenstände in ihrer Berufsgruppe. Um die hohe emotionale Belastung zu verringern, brauche es gesundheitsfördernde Arbeitsplätze. Betriebliche Gesundheitsförderung, die nun offenbar ernsthaft angegangen werde, sei ein Gebot der Stunde.

apa.at

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