zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 9. Mai 2012

Wiens neuer Ärztechef will Beiträge senken - und mehr Kassenverträge

Der neue, "rote" Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres will seine Kollegen entlasten - und die Kammerumlage reduzieren. Außerdem fordert er mehr Kassenverträge und eine bessere Vernetzung der praktischen Ärzte mit dem Spitalsbereich. Das hat der Neo-Kammerchef am Mittwoch in seiner Antrittspressekonferenz betont. Auch eine Reduktion der Arbeitszeit steht auf der Agenda des neuen Präsidiums, das vollzählig zum heutigen Medienauftritt erschien.

Oberstes Ziel sei, dass die Ärzteschaft eine wesentliche Rolle im Gesundheitssystem spiele, sagte Szekeres: "Die Ärzte kennen sich im System am besten aus." Künftig sollen sie für dieses allerdings weniger zahlen. Das Ausmaß der geplanten Senkung der Kammerumlage sei aber noch offen, betonte der neue Wiener Oberarzt. Die Schlagkraft der Kammer solle, so fügte er hinzu, aber nicht gefährdet werden. Derzeit bezahlen Mediziner 1,9 Prozent des Einkommens an die Wiener Standesvertretung sowie 0,5 Prozent an die Bundeskammer.

Änderungsbedarf sieht der neue Kammerchef auch extern - etwa im Verhältnis zwischen den niedergelassenen Ärzten und dem Krankenhausbereich. Derzeit würden Patienten vom Arzt ins Spital und wieder zurück geschickt. "Es ist notwendig, das Ping-Pong-Spiel abzustellen." Eine Voraussetzung dafür seien etwa zusätzliche Kassenverträge für die niedergelassenen Ärzte, betonte der Kammerpräsident. Zudem sollten mehr private Gruppenpraxen als Ambulanzordinationen geführt werden. Auch mehr Fachärzte seien notwendig, etwa im Bereich Kinderpsychiatrie.

Auch den Großstadtfaktor dürfe man nicht vergessen, warnte Szekeres: "Wien versorgt auch umliegende Bundesländer und teilweise auch den Westen, wenn man die Versorgung im AKH bedenkt." Diese solle jedenfalls auf "hohem Niveau" belassen werden, forderte der neue Chefarzt - der als Betriebsratsvorsitzender der AKH-Ärzte in den vergangenen Monaten umfangreiche Proteste gegen geplante Sparmaßnahmen in Wiens größtem Krankenhaus organisiert hat.

Der - ebenfalls neue - Vizepräsident Hermann Leitner ließ mit der Forderung aufhorchen, die Arbeitszeit der Spitalsärzte zu reduzieren. Denn derzeit seien 50 bis 60 Stunden die Regel: "Es ist eigentlich nicht einzusehen, warum man bei der ärztlichen Berufsgruppe davon ausgeht, dass sie so viel zu arbeiten hat." Der Kammervize und neue Kurienchef der angestellten Ärzte fordert eine Arbeitszeit von höchstens 40 bis 45 Wochenstunden, allerdings bei vollem Lohnausgleich.

Der Vizepräsident und Kurienchef der niedergelassenen Ärzte, Johannes Steinhart, begrüßte, dass der neue Präsident Szekeres sich für mehr Kassenverträge einsetzen will. Auch bekräftigten beide, sich gegen das Gesundheitsdatenprojekt ELGA stark machen zu wollen. Die Gemeinsamkeit hat jedoch auch ihre Grenzen: Aus derzeitiger Sicht könne er sich eine Senkung der Kammerbeiträge nicht vorstellen, erklärte Steinhart heute. Denn die Kammer müsse all ihre "Vitalität" erhalten, unter anderem deswegen, weil sie oft mit finanzstarken Playern verhandeln müsse.

Steinhart ist als Spitzenkandidat der VP-nahen Ärztevereinigung seinem SP-Kontrahenten Szekeres bei der Wahl in der Vollversammlung am Montag unterlegen. Dass es, so wie kolportiert, in der Wiener Ärztekammer einen dritten Präsidenten geben wird, ist laut Szekeres noch nicht fix. Es gebe die Möglichkeit, einen solchen zu ernennen, gewählt sei er aber noch nicht, hieß es.

Ebenfalls noch nicht gekürt ist der Präsident der Österreichischen Ärztekammer. Szekeres gilt als Unterstützer des Niederösterreichischen Kammerpräsidenten Christoph Reisner. Heute wollte er sich aber auf keinen Kandidaten festlegen: Es werde noch Gespräche geben, hielt sich Szekeres noch bedeckt.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben