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APA-Artikel 9. Mai 2012

Arbeitsbedingungen in Spitälern optimieren

Der neue Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte, Hermann Leitner, hat es sich vorrangig zum Ziel gesetzt, die Arbeitssituation für die Spitalsärzte zu verbessern.

"Der Fokus muss wieder mehr auf die Patientenarbeit gelegt werden", so Leitner. "Die Kolleginnen und Kollegen dürfen nicht mit bürokratischen Tätigkeiten oder Aufgaben, die primär anderen Berufsgruppen, wie beispielsweise dem Pflegepersonal, zugeordnet werden können, überhäuft werden."

 

Seine Forderung lautet, die Ärztinnen und Ärzte in den Spitälern von den administrativen Aufgaben zu entlasten und stattdessen vermehrt Dokumentationsassistenten einzusetzen. Weiters setzt sich Leitner für eine Reduktion der Regelarbeitszeit von derzeit 50 bis 60 Wochenstunden auf 40 bis 45 Wochenstunden ein, und zwar bei vollem Lohnausgleich.

"Wenn die jungen Kolleginnen und Kollegen auf die Nachtdienste verzichten, müssen sie mit einem Einkommensverlust von bis zu 15 Prozent rechnen. Viele sind daher auf die Nachtdienste angewiesen und dem entsprechend überlastet." Der daraus resultierenden Burn-out-Gefahr will Leitner bewusst entgegensteuern. Darüber hinaus soll es leichter möglich sein, die Arbeitszeit an die individuelle Lebenssituation - beispielsweise im Falle von Kinderbetreuungspflichten - anzupassen und entsprechend zu reduzieren.

Aus- und Weiterbildung

Auch die Aus- und Weiterbildung sind dem neuen Kurienobmann ein zentrales Anliegen. "Die Ausbildung ist das Fundament und die beste Investition für eine solide ärztliche Arbeit." Bei der Ausbildung der jungen Kolleginnen und Kollegen dürfe weder an Zeit noch an Ressourcen gespart werden. Abschließend fordert Leitner die finanzielle Unterstützung und Förderung von Weiterbildung durch den Dienstgeber in Form von bis zu zwei Wochen bezahltem Fortbildungsurlaub pro Jahr.

Mehr Kassenplanstellen für ein Mehr an Versorgung

Die besondere Bedeutung der Ärztekammer für eine breite und sozial umfassende Gesundheitsversorgung der Bevölkerung streicht auch der Vizepräsident und Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte, Johannes Steinhart, hervor: "Die Politik wird es weiterhin mit einer schlagkräftigen Vertretung der Ärzteschaft zu tun haben, da soll sich niemand täuschen. Wir wissen, dass die Politik Defizite, die anderswo entstanden sind, gerade bei der Gesundheitsversorgung hereinbringen will. Das werden wir im Sinne der Patienten nicht zulassen."

Als Kernziele für seine Tätigkeit für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte nennt Steinhart vor allem den Ausbau der Strukturen im niedergelassenen Bereich: "Von der Politik gibt es bislang Lippenbekenntnisse. Die Ankündigung, den niedergelassenen Bereich stärken zu wollen, lesen wir in den Regierungsprogrammen seit Vranitzky. Geschehen ist bislang nie etwas. Wir brauchen mehr Kassenplanstellen, um den Patienten ein Mehr an Versorgung zu bieten. Das kostet Geld, ist aber im Vergleich zu anderen Bereichen gut und sinnvoll investiert."

Gruppenpraxen

Als Beispiel nennt Steinhart insbesondere die Gruppenpraxen. Wien habe bei der Schaffung dieses modernen ärztlichen Angebots die Vorreiterrolle übernommen. Laut Steinhart passiert aber auch hier immer noch viel zu wenig: "Ich will diese Form der Kooperationen vorantreiben, gerade auch, um den Spitalsbereich zu entlasten." Dafür brauche es aber klare Anreize der Stadt und der Sozialversicherung.

Fokus Allgemeinmediziner

Ein Dorn im Auge ist dem Vizepräsidenten auch die politische Vernachlässigung des Allgemeinmediziners. "Die Gesundheitsreform geht in eine völlig falsche Richtung. Ich jedenfalls werde für die Aufwertung des Hausarztes eintreten - und zwar in seiner gesamthaften gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung", so Steinhart.

ELGA

Schließlich lässt der Kurienobmann auch keinen Zweifel daran, dass die Ärzteschaft weiter gegen sinnlose und teure Renommierprojekte im Gesundheitswesen auftreten werde. Dazu gehört laut Steinhart auch das milliardenschwere Projekt der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA. Steinhart: "In der vorliegenden Form findet das sicherlich keine Zustimmung in der Ärzteschaft. Da sind die Reihen dicht geschlossen." Der Vizepräsident betont zwar die weiterhin bestehende Verhandlungsbereitschaft der Ärztekammer bei ELGA. Er weist aber auch darauf hin, dass sich bislang in den wesentlichen strittigen Fragen, nämlich Datenschutz, Freiwilligkeit und Kostentransparenz, zu wenig bewegt habe.

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