zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 7. Mai 2012

EHEC-Krise: Österreich gut davon gekommen

Insgesamt wurden vergangenes Jahr in Österreich zwei Todesfälle und zehn HUS-Komplikationen durch EHEC-Infektionen registriert.

 

"Durchschnittlich gibt es in Österreich pro Jahr rund 80 EHEC-Fälle. Im vergangenen Jahr waren es 129, das war deutlich mehr, wenn auch kein einziger Fall - bis auf fünf 'eingeschleppte' Erkrankungen - auf die in Deutschland für den Krankheitsausbruch verantwortlichen EHEC O104:H4 zurückzuführen war", erklärte Gesundheitsministerium-Sektionsleiterin (Öffentliche Gesundheit) Pamela Rendi-Wagner, jetzt aus Anlass des ersten Jahrestages der Erkrankungswelle gegenüber der APA. Österreich sei somit gut davon gekommen.

Positive Behandlungsbilanz

"Insgesamt wurden vergangenes Jahr in Österreich zwei Todesfälle und zehn HUS-Komplikationen durch EHEC-Infektionen registriert. Die Erkrankung ist meldepflichtig. Von den fünf Patienten mit Infektionen aus Deutschland, die in Österreich behandelt wurden, ist keiner gestorben. In diesem Jahr, also 2012, hatten wir bisher 17 EHEC-Fälle, keine Todesfälle und auch keine Erkrankungen mit HUS-Komplikationen", sagte die Expertin.

Insgesamt könne man eine positive Bilanz für Österreich ziehen. Pamela Rendi-Wagner, vor der Übernahme der Sektionsleitung im Gesundheitsministerium als Wissenschafterin am Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien tätig: "Wichtig war die schnelle und transparente Information der Öffentlichkeit. Wir haben auch davon profitiert, dass Ernährungssicherheit und Gesundheit in Österreich von einem Ministerium, dem Gesundheitsministerium, abdeckt werden."

Schnell reagieren konnte man auch über die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Die Agentur riet Konsumenten dringend davor ab, rohe Sprossen und Keimlinge zu essen oder Sprossen selbst zu ziehen.

Zahlreiche Probennahmen

Ab Ende Mai 2011 wurden österreichweit im Rahmen von Sonderkontrollaktionen zahlreiche Proben von Gemüse und Obst gezogen. Alle Proben aus diesen Sonderkontrollen waren EHEC-negativ. Es handelte sich dabei um biologisches und konventionelles Gemüse und Obst (z. B. Gurken, Tomaten, Paprika, Zucchini, Melanzani, Karotten, Radieschen, diverse Kohl- und Salatarten, Melonen, Pfirsiche, Nektarinen, Orangen, Zitronen und diverse Beeren).

Die Produkte stammten aus diversen Herkunftsländern (z. B. Spanien, Italien, Griechenland, Deutschland, Niederlande und Österreich). Auch aus Deutschland stammende Lieferungen der Bockshornklee-Sprossen zeigten keine Kontamination. Insgesamt waren im Jahr 2011 in Österreich von allen getesteten Lebensmittelproben 1,4 Prozent EHEC-positiv (VTEC/STEC-Keime, so die eigentliche Fachbezeichnung, Anm.).

Mittlerweile wurde das Meldesystem in Österreich in technischer Hinsicht weiter verbessert. Die Sektionsleiterin: "Mit diesem Jahr stellen wir bei den meldepflichtigen Erkrankungen auf ein elektronisches Meldesystem um, das alle Amtsärzte, Labors, Krankenhäuser und Ärzte umfasst." Das beschleunigt natürlich die Erfassung potenziell verdächtiger Vorkommnisse.

"Erstaunliche Grenzen der Leistungsfähigkeit"

Trotzdem, auf wie "dünnem Eis" die Gesellschaft manchmal bezüglich Gesundheitsrisiken lebt, das war auch für manche Spezialisten überraschend. So erklärte der Wiener Intensivmediziner Wilfred Druml (MedUni Wien) im Juni vergangenen Jahres: "Es ist erstaunlich, dass im 21. Jahrhundert in einem hoch entwickelten Land eine Massenepidemie durch Lebensmittel auftritt. Es ist zweitens erstaunlich, dass dadurch das Gesundheitssystem an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit kommt."

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben