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APA-Artikel 26. April 2012

Tiroler Landesrat lehnt "Rasenmäherprinzip" ab

Tirols Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (V) lehnt bei der geplanten Spitals- und Gesundheitsreform eine Kostendämpfung nach dem "Rasenmäherprinzip" ab. Die anvisierten Einsparungen im Gesundheitswesen im Umfang von 3,4 Milliarden Euro bis 2016 dürften nicht "einfach auf die einzelnen Länder hinuntergebrochen" werden, kritisierte Tilg im Gespräch mit der APA. Vielmehr brauche es eine "Finanzierungsgerechtigkeit", die die Kosteneffizienz der Spitäler berücksichtige. Im Gesundheitsministerium konnte man die "Aufregung" auf Anfrage am Donnerstag nicht nachvollziehen.

"Es darf nicht sein, dass kosteneffiziente Bundesländer bestraft werden", argumentierte der Tiroler Gesundheitslandesrat. Aber genau das würde passieren, wenn die geplanten Einsparungen ohne Berücksichtigung der bereits geleisteten Reformen der einzelnen Länder verteilt werden sollten. Tilg forderte daher einen bundesweiten "Konvergenzpfad", der die einzelnen Länder zur Kosteneffizienz animieren soll. Vorstellbar wäre, dass die jeweiligen Länder ihre über dem Pfad liegenden Mehrkosten selbst bezahlen.

Die von Gesundheitsminister Alois Stöger (S) angepeilte Gesundheitsreform sei zu einer reinen "Finanzierungsreform" mutiert. Über inhaltliche Punkte werde nicht gesprochen. Dabei sei der Apsekt der Kosteneffizienz wesentlich. Denn die medizinischen Leistung in Wien seien um bis zu 60 Prozent teurer als in Tirol. Die Spitalskosten pro Einwohner würden sich in Tirol mit 1.023 Euro zu Buche schlagen, in Wien hingegen mit 1.570 Euro (Stand 2010, Anm.). Würden alle österreichischen Krankenhäuser so kosteneffizient arbeiten wie die Tiroler, hätte man in Österreich ein jährliches Einsparungspotenzial von in etwa 2,5 Milliarden Euro.

Das Argument, dass das AKH in Wien beispielsweise mehr Spitzenmedizin anbiete als die Innsbrucker Klinik und daher teurer sei, will Tilg nicht gelten lassen. Denn auf diesem Gebiet seien die beiden Universitätskliniken vergleichbar. Vielmehr habe das AKH einen vergleichsweise großen Verwaltungsappart. "Das AKH hat gegenüber der Innsbrucker Klinik um 22,7 Prozent mehr Betten, aber um 116 Prozent mehr Verwaltungspersonal", kritisierte Tilg.

Im Gesundheitsministerium gab man sich auf APA-Anfrage ob der Kritik überrascht. Denn schließlich seien die Länder ja in der politischen Steuerungsgruppe in die Verhandlungen eingebunden, sagte eine Ministeriums-Sprecherin. Und auch das Kostendämpfungspotenzial sei Gegenstand der Verhandlungen. Daher obliege es auch den Ländern untereinander abzustimmen, wer wie viel leisten soll und kann.

apa.at

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