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APA-Artikel 25. April 2012

AK Tumpel: Krankenstände gehen zurück, viel zu viele gehen krank in die Arbeit

"Es ist ein Zynismus der Wirtschaft gegenüber den kranken Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen." So bewertet AK Präsident Tumpel in seiner Rede auf der 157. Vollversammlung der AK Wien den neuerlichen Vorstoß von Wirtschaftsvertretern, ArbeitnehmerInnen Krankenstände oder deren Bezahlung kürzen zu wollen. "Die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen machen nicht blau, das Gegenteil ist wahr", so Tumpel. "Die Krankenstände gehen zurück, und viel zu viele Menschen gehen krank in die Arbeit. Die Ursachen sind die Sorge um den Arbeitsplatz und der Druck auf die Beschäftigten. Das gehört geändert", sagt Tumpel und weist den Vorschlag der Wirtschaftskammer von Teilkrankenständen als "grotesk" zurück. Es sei schäbig, auf Kosten der Gesundheit der Menschen Gewinne machen zu wollen. Als dramatisch bezeichnet Tumpel die Zunahme der psychischen Belastungen in der Arbeit, der AK Präsident bekräftigte seine Forderungen nach einer verpflichtenden Evaluierung von psychischen Arbeitsbelastungen durch Fachleute und nach mehr Prävention. Die Reaktion von Wirtschaftsvertretern, die diese Belastungen einfach leugneten, bezeichnete Tumpel als menschenverachtend.

Die Fakten sind:

+ Tatsächlich sind die Krankenstände seit Jahren zurückgegangen: 2000 waren ArbeitnehmerInnen durchschnittlich 14,4 Tage im Jahr in Krankenstand, 10 Jahre später sind es nur mehr 12,9. + Viel zu viele gehen krank in die Arbeit: Der Arbeitsgesundheitsmonitor 2009 belegt: Über 40 Prozent geben an, im vergangenen Halbjahr zumindest ein Mal krank zur Arbeit gegangen zu sein. Fast 60 Prozent sagen, dass die Ursache dafür bei ihrem Vorgesetzten liegt.

Es gibt die Krankschreibung durch den Arzt, und es gibt die Einladung zur Kontrolle durch die Krankenkasse. Viele bekommen diese Einladung erst, nachdem sie sich bereits wieder gesundschreiben haben lassen. Dass bei den Einladungen zu den Kontrollen ArbeitnehmerInnen bereits gesundgeschrieben werden oder schon wieder arbeiten gehen, sei normal und heißt nicht, dass sie nicht vorher krank gewesen sind. Was man vor allem sieht, ist dass die ArbeitnehmerInnen so früh wie möglich, viele sogar krank wieder zur Arbeit gehen. Krankenstände beginnen in der Regel auch nicht am Montag, erst an diesem erfolgt die Krankschreibung. Das zeigt der Fehlzeitenreport des Wifo eindeutig.

Dramatisch sei die Zunahme der psychischen Belastungen als Krankmacher, so Tumpel: "Die Krankenstandstage durch psychische Belastungen haben sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht. Was wir brauchen, ist die verflichtende Einschätzung der Ursachen von psychischen Belastungen durch Arbeits- und Organisationspsychologen, die in die Betriebe gehen. Wir brauchen mehr Prävention und die Verankerung dieser Maßnahmen im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz."

apa.at

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