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APA-Artikel 23. April 2012

Ex-Ministerin Kdolskys Vorstellungen für eine Gesundheitsreform

Ihre Vorstellungen für eine Gesundheitsreform hat die frühere Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky in Buchform vorgestellt. "Hauptsache gesund - Die unheilbaren Krankheiten des österreichischen Gesundheitswesens" ist der Titel des Werkes, das im Mai im Goldegg-Verlag erscheint. Die Ex-Ministerin, die derzeit für das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers Österreich den Bereich "Health Care Services" leitet, plädiert darin für einen Ausbau der Prävention, eine Stärkung des Hausarztes und eine gemeinsame Finanzierung des Spitals- und des niedergelassenen Bereiches.

Kdolsky, die von Jänner 2007 bis Dezember 2008 Ministerin war, und mit einer Gesundheitsreform, die vor allem medizinische Versorgungszentren bringen sollte, am Widerstand der Ärzte gescheitert war, gesteht gleich im Prolog ein, wie schwierig Veränderungen im Gesundheitswesen durchzusetzen sind.

"Anfänglich stellte ich es mir ganz einfach vor", Dinge zu verändern. Aber: "Ich hatte nicht mit der zähen Veränderungsresistenz des Systems und der meisten, die in diesem System gefangen sind, gerechnet." Mit dem Buch will Kdolsky einen Weg zum "mündigen Patienten" aufzeigen und mit Informationen über das System die Eigenverantwortung der Menschen stärken.

"Das österreichische Gesundheitssystem ist sicher nicht das beste der Welt", tritt Kdolsky der immer wieder geäußerten Behauptung entgegen, "aber es wird getragen von unglaublich vielen engagierten und großartigen Menschen, die tagtäglich alles geben", um anderen zu helfen. "Diesen Menschen sind wir es schuldig, den Mut zu haben, insuffiziente Rahmenbedingungen zu verändern."

Aufgezeigt werden die Defizite im Gesundheitswesen anhand der Familie Kriehuber, die im Laufe ihres Lebens - von der Geburt der Tochter bis zur Pflege der Schwiegermutter - mit den unterschiedlichen Einrichtungen des Systems zu tun hat.

Die derzeit von Bund, Ländern und Sozialversicherung für Spitäler und niedergelassene Ärzte getrennt gezahlten Gelder sollten nach Ansicht Kdolskys in einen Pool umgelenkt werden, aus dem alle medizinischen Leistungen finanziert werden. Wenn das Geld aus einem gemeinsamen Topf kommt, könnte die jeweils beste und effizienteste Leistung finanziert werden und eine gemeinsame Planung und Steuerung der Dienstleistungen wäre mit dem Prinzip "Geld folgt Leistung" möglich, unterstützt Kdolsky grundsätzlich die Reformbestrebungen ihres Nachfolgers Alois Stöger.

Im Spitalsbereich plädiert die Ex-Ministerin für die Umwandlung von Akutbetten in Pflegebetten und macht vor allem die Landespolitiker dafür verantwortlich, dass das Konzept bisher gescheitert sei. Im Niedergelassenen Bereich tritt Kdolsky für das von der Ärztekammer vorgeschlagene Hausärzte-Modell ein. Voraussetzung wäre aber die Implementierung eines Facharztes für Allgemeinmedizin, der die Rolle des Mediators übernehmen könnte. Erst dann könnte man darüber sprechen, die Menschen zu zwingen, zuerst diesen Hausarzt aufzusuchen, bevor sie andere Stellen in Anspruch nehmen können.

Besonders wichtig wäre nach Ansicht Kdolskys der Ausbau der Vorsorge: "Österreich ist Weltmeister in der Reparaturmedizin und Schlusslicht bei der Prävention und Gesunderhaltung." Wie im Bereich der Spitäler macht die Ex-Ministerin auch dafür "die Überbewertung des Föderalismus" verantwortlich. "Die neun Bundesländer sind für Präventionsmaßnahmen zuständig und daher gibt es in dieser Frage kaum ein koordiniertes Vorgehen."

Buchtipp: "Hauptsache gesund - Die unheilbaren Krankheiten des österreichischen Gesundheitswesens"

Andrea Kdolsky
Goldegg-Verlag, 248 Seiten, € 22.-
ISBN: 978-3-902729-71-2

apa.at

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