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APA-Artikel 19. April 2012

EU: Überwachter Heroin-Konsum manchmal positiv

Ein heißes Eisen in der Betreuung von Drogenkranken mit problematischem Opiatkonsum: eine Substitutionstherapie mit Heroin. Die heikle Frage hat jetzt die EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) in Lissabon in einem Expertenbericht analysiert, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Fazit: "Die mittlerweile vorliegenden Ergebnisse internationaler Studien weisen darauf hin, dass der überwachte Konsum von 'medizinischem Heroin' eine wirksame Therapie zweiter Wahl" für eine kleine Gruppe von Abhängigen sein dürfte.

"Die Verschreibung von Substitutionsmitteln (z. B. Methadon oder Buprenorphin, in Österreich auch lang wirksame Morphine zum Schlucken) hat sich zu einer Standardtherapie erster Wahl bei Opioidabhängigkeit entwickelt, wobei rund 700.000 der 1,3 Millionen problematischen Opioidkonsumenten in Europa heute eine Substitutionsbehandlung erhalten", heißt es in dem mehr als 170 Seiten umfassenden Bericht bzw. in der dazu gehörigen Pressemeldung.

In Österreich befanden sich im Jahr 2010 bereits 14.962 Abhängige in Substitutionsbehandlung, im Jahr 2001 waren es 4.604 gewesen. Man nimmt an, dass in Wien bereits mehr als die Hälfte der in Frage kommenden Patienten diese Behandlung erhalten. Die Verschreibung von Drogensubstitutionsmedikamenten ist in Österreich streng geregelt. Die behandelnden Ärzte benötigen eine entsprechende Ausbildung. Die Abhängigen erhalten prinzipiell die verordnete Tagesdosis in einer Apotheke. Es gibt darüber hinaus klare Mitgaberegelungen für die Patienten. Die Substitutionsbehandlung bringt die Drogenabhängigen weg vom illegalen Markt, verhindert die gesundheitlichen Risiken und stabilisiert auch die soziale Situation der Betroffenen.

Nicht immer ist das Angebot aber erfolgreich. Die EBDD: "Doch eine kleine Minderheit der Langzeit- Opioidkonsumenten spricht wiederholt nicht auf Behandlungen dieser Art an." Deshalb wurden immer wieder Möglichkeiten erprobt, Heroinabhängigen "medizinisch" dieses Suchtmittel zum Injizieren zur Verfügung zu stellen bzw. eine überwachte Anwendung zu ermöglichen. Das führte aber - von ersten Versuchen in der Schweiz in den 1990er-Jahren (Zürich) an - oft zu heftigen politischen Kontroversen.

"Die neue heroingestützte Behandlung ist ein Thema, das sehr viel Aufmerksamkeit erregt, aber auch Kontroversen und häufig auch Verwirrung ausgelöst hat", erklärte der Direktor der EBDD, Wolfgang Götz. Man habe daher die bisherigen Erfahrungen im Rahmen von wissenschaftlichen Studien etc. erstmals umfassend analysiert.

apa.at

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