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APA-Artikel 13. April 2012

Ordensspitäler fordern Transparenz im Gesundheitswesen

Die österreichischen Ordenskrankenhäuser - sie versorgen im bundesweiten Durchschnitt rund 20 Prozent der Krankenhauspatienten - fürchten offenbar, in einer vor allem politisch geführten Gesundheits-Reformdebatte unter die Räder zu kommen. "Die österreichischen Ordensspitäler fordern ein Rating für die Leistung im Gesundheitsbereich. Besonders für die Spitäler ist das angezeigt, um endlich Aussagen zur Qualität zu bekommen", sagte am Freitag der Leiter der ARGE Ordensspitäler, Leonhard Gregotsch, bei einer Pressekonferenz in Wien. Investitionen und De-Investitionen dürften nur nach transparenten Kriterien erfolgen, hieß es. Sonst wäre das "Triple A" im Gesundheitswesen gefährdet.

Laut dem Ökonomen Gottfried Haber (Institut für Volkswirtschaftslehre der Alpen-Adria-Universität/Klagenfurt) gibt es nur noch drei Bereiche, in denen der Staat sparen könnte: Pensionen, öffentliche Verwaltung und Gesundheitswesen. Bei letzterem würde man von einer undifferenzierten Deckelung der Ausgaben wohl schon in ein paar Jahren wieder abrücken müssen: "Wir werden immer reicher. Der Markt mit großem Wachstumspotenzial ist der Gesundheitsbereich." 2,1 Prozent der Wirtschaftsleistung Österreichs würden direkt in den Krankenhäusern erbracht, mit nachgeordneten Sektoren wären es gar 4,4 Prozent.

Das System - so Haber - leide vor allem an der Intransparenz: "Die Endkosten für einen LKF-Punkt betragen im Bundesdurchschnitt 1,21 Euro , sie schwanken aber zwischen 0,96 und 1,40 Euro." Bei dieser von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Bewertung könne nur ein undurchschaubares Dickicht an Bewertungsgrundlagen entstehen.

Gegen mehr Effizienz im Gesundheits- und speziell im Krankenhausbereich sei nichts einzuwenden, erklärte Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz-Gruppe: "Wir sind die Allerletzten, die bestreiten, dass man nicht sparen kann."Kostenstruktur je Krankenhaus, erbrachte medizinische Qualität und Patientenzufriedenheit müssten die einzigen Kriterien sein, nach denen die Gesundheits- und Spitalsreform erfolgen sollte. Heinisch: "Wir wissen derzeit nicht, was auf uns zukommt." "Politisches Kalkül" sollte jedenfalls kein Entscheidungskriterium für Investitionen bzw. De-Investitionen sein: "Die Ergebnisse von Erhebungen hinsichtlich medizinischer Qualität und Patientenzufriedenheit müssen ausschlaggebend für künftige Investitions- und De-Investitionsentscheidungen sein. Es gibt im Gesundheitsministerium umfassende Daten über die Kostenstruktur in allen öffentlichen Krankenhäusern."

Ein Problem seien auch die Entscheidungs- und Eigentumsstrukturen im Spitalsbereich, meinte Christian Kuhn, Rechtsanwalt und Mitglied der Bundesgesundheitskommission: "Es gibt in Österreich kein Gefühl für Unvereinbarkeiten. Die Bundesländer haben allumfassende Macht. Sie sind Gesetzgeber, Finanzierer, Leistungsanbieter, Planer und Entscheidungsträger im Spitalsbereich. (..) Wir fordern, dass es eine objektive Beurteilung der Leistung der Spitäler gibt. Das soll jemand beurteilen, der unabhängig ist. Es ist höchste Zeit, dass hier Nachvollziehbarkeit und Transparenz einkehren."

apa.at

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