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APA-Artikel 11. April 2012

Massiver Ausbaubedarf bei sozialen Diensten nötig

Arbeiterkammer, Volkshochschule und die Johannes Kepler Universität Linz haben sich zu einer Kooperation zusammengeschlossen, um auf die großen Herausforderungen im Bereich "Care" bzw. "Sorgearbeit" hinzuweisen. Von 2012 bis 2013 wird im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Für sich und andere sorgen - Krise und Zukunft von Care" die künftige Ausgestaltung von "Care" mit Wissenschaft, Praxis und Politik diskutiert. Wichtig ist, dass Sorgearbeit den neuen Anforderungen der Menschen gerecht wird.

Unter "Care" oder "Sorgearbeit" versteht man laut OECD die Produktion von Waren und Dienstleistungen durch Familienmitglieder, die nicht auf dem Markt verkauft werden. Gemeint sind Kinderbetreuung, Pflege, Betreuung von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, Beziehungsarbeit sowie Hausarbeiten wie Kochen, Putzen, Einkaufen usw. Alle diese Tätigkeiten werden immer noch überwiegend von Frauen unentgeltlich erbracht. Sie erfolgen zum Teil freiwillig, aber auch unfreiwillig, weil es an entsprechenden sozialen Diensten etwa bei Kinderbetreuung oder Pflege, mangelt. Zwei Drittel der unbezahlten Arbeit werden derzeit von Frauen geleistet.

AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer: "Bundesinvestitionen von 100 Millionen Euro pro Jahr in den qualitätsvollen Ausbau von Kinderbetreuung schaffen innerhalb von nur vier Jahren laut Arbeiterkammer Wien 35.000 neue Betreuungsplätze und ermöglichen bessere Öffnungszeiten für 70.000 Plätze. Es werden 10.000 neue Arbeitsplätze in der Kinderbetreuung geschaffen und für 27.000 Eltern, insbesondere Frauen, eine höhere Vereinbarkeit. Zudem gibt es mittelfristig für das Bundesbudget sogar ein zusätzliches Plus von 70 Millionen Euro jährlich."

Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger: "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist grundsätzlich eine der wichtigsten Herausforderungen in der österreichischen Frauen- und Familienpolitik. Die Entlastung von Frauen bei der Haus- und Familienarbeit, aber auch im Bereich der Pflege und Fürsorge stehen dabei im Vordergrund. Als ein erster Schritt in diese Richtung wurde bereits im vergangenen Jahr am Magistrat das "Papamonat Modell Linz" realisiert. Damit bietet die Stadt Linz ihren Mitarbeitern eine zusätzliche Woche bezahlten Urlaub. Er dient dazu, dass auch Väter die Chance und Möglichkeit haben, von Anfang an für die Kinder da zu sein und ihre Partnerinnen zu unterstützen."

Univ.Prof.in Dr.in Brigitte Aulenbacher von der Johannes Kepler Universität Linz: "Wie Menschen für sich und andere sorgen, hängt von mehreren Faktoren ab: Wie sich die Arbeitsbedingungen und Lebensformen wandeln, was der Sozialstaat übernimmt, was privat erbracht wird und welche Normen und Werte gelten. Die Sorge für sich und andere ist aber zusehends gefährdet. Der demografische Wandel und die Alterspyramide, neue Lebensformen und Kleinkindbetreuung, Selbstsorge oder Sich-fitmachen-für-den-Wettbewerb und die Industrialisierung der Pflege führen zur immer dringlicheren Frage, wie Care zukunftsfähig organisiert werden kann."

apa.at

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