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APA-Artikel 6. April 2012

Caritas vermisst Solidarität mit sterbenden Menschen

"Niemand würde auf die Idee kommen, um Spenden zu bitten, damit jemand mit einer gebrochenen Hand im Spital behandelt werden kann. Umso unverständlicher ist, dass dies in der Hospiz- und Palliativarbeit bis heute erforderlich ist! Zu einem guten Teil hängt es von Spenden ab, ob ein schwer kranker Mensch am Ende des Lebens jene Betreuung bekommt, die er braucht!", so Caritasdirektor Michael Landau. "Die Hospiz- und Palliativversorgung muss daher endlich in die öffentliche Regelfinanzierung übernommen werden. Jeder Mensch - ob zuhause, im Pflegehaus oder im Spital - hat ein Recht auf optimale Betreuung und Begleitung am Lebensende und ein Sterben in Würde", fordert Landau.

 

Menschen sollen an der Hand eines anderen Menschen sterben und nicht durch die Hand eines anderen Menschen, dafür gilt es endlich menschenwürdige Rahmenbedingungen für alle zu schaffen. Das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) hat bereits im Jahr 2004 Konzepte und Standards für eine bundesweit gleichwertige abgestufte Hospiz- und Palliativversorgung und deren Finanzierung bis 2012 festgeschrieben. "Der beste Plan nützt nichts, wenn er letztendlich Stückwerk bleibt und der politische Wille zur Umsetzung fehlt", so Landau. Obwohl sich Bund und Länder im Rahmen der 15a-Vereinbarung verpflichtet haben, eine flächendeckende Versorgung im Palliativ- und Hospizbereich prioritär umzusetzen, ist laut Caritas nach wie vor einiges zu tun.

 

Bestehende Versorgungslücken müssen umgehend geschlossen werden. Im stationären Bereich gibt es noch immer zu wenig Hospizbetten, um sterbenskranke Menschen auch über einen längeren Zeitraum bis zum Tod betreuen zu können. Insgesamt fehlen hier österreichweit rund 100 Betten. Aber auch in Pflegehäusern muss die Hospiz- und palliative Versorgung alter und dementer Menschen forciert werden. Außerdem ist ein zügiger Ausbau der mobilen Hospiz- und Palliativteams notwendig, allein in Wien ist laut ÖBIG-Plan eine Verdoppelung der mobilen Palliativteams nötig. Die Finanzierung muss durch eine regelmäßige Valorisierung der derzeitigen Fördermittel gesichert werden. Auch das Tageshospiz der Caritas in Wien als wichtige Ergänzung des mobilen Angebotes ist derzeit rein durch Spenden finanziert.

 

Das Mobile Caritas Hospiz ist seit über 20 Jahren in Wien und mehr als 10 Jahren in Niederösterreich für Menschen am Ende des Lebens im Einsatz. Im Vorjahr haben insgesamt 53 haupt- und 224 ehrenamtliche Hospiz-MitarbeiterInnen rund 2.200 Menschen betreut. Das für Betroffene und Angehörige kostenlose Angebot der Caritas umfasst palliativmedizinische und -pflegerische, psychosoziale und seelsorgerische Betreuung. In Niederösterreich und Wien ist das Mobile Caritas Hospiz mit 13 ehrenamtlichen Hospizteams im Einsatz. 2011 wurde ein interkulturelles Hospizteam ins Leben gerufen, um Menschen verschiedener Herkunft bestmöglich auch in ihrer Muttersprache begleiten zu können.

apa.at

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