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APA-Artikel 15. März 2012

ELGA: "Nicht zu Überwachungsstaat entwickeln"

Mit dem heißen Eisen ELGA beschäftigte sich eine von der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) initiierte Fachtagung, bei der Ärztekammerpräsident Walter Dorner eine offene Diskussion über fragwürdige Konzepte der Politik forderte.

Telematikgesetz

"Wenn ich erst sämtliche Befunde eines Patienten durchforsten muss, erhöhen sich die Wartezeiten für meine Patienten. Und ich habe im Endeffekt weniger Zeit für den Einzelnen", schilderte Artur Wechselberger, Präsident der Ärztekammer für Tirol und ÖÄK-Vizepräsident, die Problematik aus der sicht eines niedergelassenen Arztes.

Deshalb sei in Hinblick auf ELGA ein zeitgemäßes, modernes Telematikgesetz notwendig, das auf die medizinischen Bedürfnisse und den ärztlichen Alltag Rücksicht nehme, so Wechselberger. Dorner: "Es darf nicht sein, dass wir uns in Richtung Überwachungsstaat entwickeln."

Die Widerspruchsregelung

Die Widerspruchsregelung (Opt-Out), die im derzeit vorliegenden Gesetzesentwurf verankert sei, bedeute zusätzliche Hindernisse. So könne sich der Arzt nie sicher sein, dass die Befundsammlung tatsächlich vollständig sei.

Daraus würde sich wiederum die Notwendigkeit für weitere Recherchen ergeben. Wechselberger: "Wenn sich herausstellt, dass die Befundlage ungenügend ist, muss ich den Patienten erst recht wieder zu Untersuchungen schicken. Das alles kostet enorm viel Zeit."

Ohne Rücksicht auf Behandlungsprozesse

ELGA in der geplanten Form berücksichtige die medizinischen Arbeitsläufe eines Behandlungsprozesses nicht, kritisierte Wechselberger, hier würden vorrangig Vorstellungen von Politikern und Technikern umgesetzt. Eine reine Befundsammlung bringe keine Verbesserung der Patientenversorgung.

Ein digitales Austauschsystem, das von den Ärzten akzeptiert werde, sollte eine in der Behandlungssituation ganz konkrete Information innerhalb kürzester Zeit ermöglichen. Das sei derzeit keinesfalls gegeben.

Ähnlich kritisch äußerte sich Robert Hawliczek, Primarius im Donauspital und stv. Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte in der ÖÄK: "Es stellt sich schon die Frage, inwieweit das so genannte Empowerment der Patienten durch ELGA in Wahrheit nicht eine Entmündigung darstellt", so Hawliczek.

Auch die Kosten dürften nicht einfach beiseite gewischt werden - alleine der Wiener Krankenanstaltenverbund müsse für die Schnittstellen zu ELGA rund drei Millionen Euro in die Hand nehmen, die Verwaltung eines einzigen in ELGA gespeicherten Dokuments könne bis zu vier Euro kosten.

apa.at

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