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APA-Artikel 13. März 2012

Brite mit Locked-in-Syndrom kämpft für aktive Sterbehilfe

Die britische Justiz hat einem am Locked-in-Syndrom leidenden vollständig gelähmten Mann zugestanden, seinen Wunsch nach Sterbehilfe weiter vor Gericht zu verfolgen. Der Londoner High Court entschied am Montag, dass der 57-jährige Tony N. versuchen kann, gerichtlich durchzusetzen, dass er einen Arzt mit der Sterbehilfe beauftragen darf, ohne dass dieser wegen Mordes belangt wird. Das Justizministerium hatte sich gegen Befassung des Falls durch die Justiz ausgesprochen, da die Debatte über die - derzeit illegale - Sterbehilfe Sache des Parlaments sei.

Das Gericht akzeptierte auch Ns. Argumentation, wonach das in Artikel acht der Menschenrechtskonvention verbriefte Recht auf Privatleben das Recht umfasse, seinem Leben ein Ende zu setzen. Allerdings lehnte der Richter William Charles den Antrag des Klägers ab, das Gesetz zur Sterbehilfe insgesamt zu überprüfen. Das sei Sache des Parlaments, befand er.

N. leidet seit einem Hirnschlag im Jahr 2005 am "Eingeschlossensein"-Syndrom und beschreibt sein Leben als "unwürdig und unerträglich". Obwohl geistig klar, kann er mit seiner Umwelt nur über einen Computer kommunizieren, den er durch Augenbewegungen per Lidschlag bedient. Nach Angaben seiner Frau, einer ehemaligen Krankenschwester, will er "nicht morgen sterben", sich die Möglichkeit jedoch offenhalten, wenn er absolut keinen Ausweg mehr sieht.

Eines der bekanntesten Schicksale war in den 1990er Jahren der am Locked-in-Syndrom erkrankte Journalist Jean-Dominique Bauby. Auch er hielt durch Zwinkern mit dem Augenlid Kontakt zur Außenwelt. Auf diese Weise diktierte er im Krankenhaus sein Buch, das in viele Sprachen übersetzt und verfilmt wurde. Bauby starb im März 1997 im Alter von 46 Jahren.

apa.at

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