zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 5. März 2012

Deutschland: Nachholbedarf bei Organspende-Reform?

Der Transplantationsexperte Axel Haverich hat die Neuregelung der Organspende als wichtigen Schritt bewertet, sieht jedoch noch Nachholbedarf. "Wir versprechen uns eine Menge von dieser Neuregelung", sagte Haverich in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Hannover. "Wir Chirurgen hätten aber die Widerspruchsregelung favorisiert. Diese wäre im Bundestag allerdings nicht mehrheitsfähig gewesen."

Haverich ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Bereits seit 20 Jahren setzt er sich in der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie für eine weitreichende Lösung ein. Die Widerspruchsregelung sieht vor, dass jeder Mensch automatisch Organspender ist - andernfalls muss Widerspruch eingelegt werden.

Rund 12 000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Nach jahrelanger Diskussion hatte sich am Donnerstag eine Spitzenrunde aus Opposition, Koalition und Bundesregierung in Berlin auf eine Reform der Organspende geeinigt. In Zukunft soll jeder Erwachsene regelmäßig per Post gefragt werden, ob er zur Organspende bereit ist. Bisher musste die Initiative vom Spender selbst ausgehen.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) spendeten im vergangenen Jahr 1200 Menschen nach ihrem Tod Organe - 7,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig nimmt die Nachfrage nach einem Spenderorgan Haverich zufolge zu. "Mittlerweile transplantieren wir mehr Kunstherzen als Spenderherzen. Dabei ist das Kunstherz nur die zweitbeste Lösung." In der Transplantationsmedizin zählt die MHH weltweit zu den führenden Zentren.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben