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APA-Artikel 24. Februar 2012

Patienten an die Macht: Online-Bewertungen von Ärzten in Deutschland

Unerbittlich stuft das Internet Ärzte hoch oder runter. Man muss nur die Postleitzahl eintippen, ein ärztliches Fachgebiet wählen - und auf den Suchknopf klicken. In Sekunden baut die Online-Arztsuche eine Liste mit Ärzten und Öffnungszeiten auf. Mit einem weiteren Klick kann jeder die Mediziner online ordnen - an der Spitze steht der Mediziner der Umgebung, mit dem die Patienten bisher am zufriedensten waren.

Elektronischer Pranger

Als die AOK den Plan für diesen Arzt-Navigator 2009 erstmals erwähnte, brach ein Sturm der Entrüstung los. Die Ärzte wollten sich nicht an den elektronischen Pranger stellen lassen. Im vergangenen Mai starteten AOK und Barmer GEK die Datenmaschine, da war aus dem Protest ein Grummeln geworden.

 Denn Schmähkritik sollte es nicht geben, Ärzte sollten auch nicht irgendwelchen Fehlerquellen einer anonymen Netzangebotes ausgeliefert sein. "Bei uns gibt es keine Diffamierung, aber sehr wohl eine Differenzierung", sagt AOK-Chef Jürgen Graalmann. Erst ab Angaben von zehn verschiedenen Patienten geht das Portal von einer verlässlichen Bewertung aus.

Jetzt auch für Zahnmediziner

Neun Monate später kommen nun die Zahnärzte dazu. Mit 40 Fragen bohren die Kassen zu den Erlebnissen der Patienten bei ihren Dentisten nach. Der Anspruch ist hoch. "Es handelt sich nicht um eine reine Zufriedenheitsbefragung", sagte die Gesundheitsexpertin der Verbraucherzentralen, Ilona Köster-Steinebach. Auch die Qualität der Arzt- und Zahnarzt-Praxen soll steigen.

Doch perfekt ist sie noch bei weitem nicht, die schöne neue Online-Welt, in der Patienten anonym Patienten aufklären und Ärzte von digitaler Hand zum edlen Wettstreit um die beste Versorgung angetrieben werden. Wer ein bisschen rumklickt, stellt schnell fest: Das Mindestmaß an zehn Bewertungen ist in den wenigsten Fällen erfüllt. Höchstens bei 3500 der rund 130 000 Haus- und Fachärzte. Dazu kommen nun noch 55 000 Zahnärzte, bei denen es jetzt erst losgeht.

Überschätztes Internetangebot

"Die Internetportale werden überschätzt", sagt der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Roland Stahl. "Die klassische Mund-zu-Mund-Propaganda spielt eine deutlich größere Rolle." Viel ist bei der Vorstellung des Projekts von der unterschiedlichen "Internetaffinität" der Leute die Rede.

Nicht jeder Kranke, nicht jeder Senior geht nach dem Arztbesuch als erstes für eine Bewertung ins Netz. 150 000 Bewertungen habe es bisher gegeben, sagt Brigitte Mohn von der Bertelsmann Stiftung. Jetzt sollen möglichst viele andere Kassen auch mitmachen.

Mehrere ähnliche Angebote

Erschwert wird dieses Ansinnen durch ein konkurrierendes Angebot, den "Arztlotsen". Hier werden die Mediziner nach anderen Kriterien aufgelistet. Unter anderem die DAK-Gesundheit und die KKH-Allianz machen dort mit. Wie im Gesundheitswesen nicht unüblich, stecken hinter den verworrenen Strukturen dabei teils die gleichen Mitspieler.

So ist beim "Arztlotsen" die in Hamburg ansässige Stiftung Gesundheit maßgeblich beteiligt. Durch den Verkauf der Stammdaten der Praxen - etwa zu Adresse, Öffnungszeiten oder Spezialangeboten - verdient diese Stiftung aber auch am Projekt von AOK und anderen mit.

apa.at

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