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APA-Artikel 15. Februar 2012

"Malariatherapie" - Weitere Betroffene meldeten sich

In der Affäre um die Anwendung von "Malariatherapien" an Kindern an der damaligen Universitätsklinik für Psychiatrie in den 1960er Jahren in Wien haben sich weitere Betroffene gemeldet: 15 Personen haben sich an die Medizinische Universität gewandt, bei dem Wiener Rechtsanwalt Johannes Öhlböck haben sich mittlerweile mehr als ein Dutzend potenzielle Opfer gemeldet, bei der Opferschutzeinrichtung Weißer Ring vier. Es handelt sich dabei um ehemalige Heimkinder. Das sagte eine Sprecherin des Weißen Rings am Mittwoch der APA. Die Organisation kümmert sich im Auftrag der Stadt um Betroffene, die in ehemaligen Wiener Kinderheimen missbraucht worden sein sollen.

Öhlböck hat eigenen Angaben zufolge in zwei Fällen die entsprechenden Krankenakten angefordert und bisher in einem Fall Antwort bekommen: Demnach ist der Akt eines männlichen Patienten, der von 25. Mai bis 22. Juni 1954 an der Klinik behandelt wurde, nicht auffindbar. Er wurde, wie der Anwalt am Mittwoch der APA sagte, 1965 von einem Arzt entlehnt und nicht mehr retourniert. "Das wirft spannende Fragen auf", meinte Öhlböck: "Zu welchem Zweck wurde der Akt ausgeborgt? Warum wurde er nicht zurückgegeben? Hat der Arzt an einer Studie mitgearbeitet?"

Angaben weiterer Betroffener, die sich in den vergangenen Tagen an ihn wandten, hätten den Verdacht, dass - die völlig untaugliche - "Malariatherapie" an Kindern ebenso angewandt wurde wie Elektroschocks - erhärtet beziehungsweise bestätigt, sagte Öhlböck. Er spreche diese Woche noch mit jenen Betroffenen persönlich, zu denen er bisher nur telefonischen Kontakt habe und kümmere sich um die Beschaffung von Informationen, sagte der Anwalt. Erst dann könne er über weitere Schritte entscheiden. Öhlböck geht davon aus, dass sich zumindest ein Teil der Betroffenen zugleich an die Meduni und an ihn gewendet hat.

Die MedUni Wien hatte am Montag angekündigt, zur Aufklärung der Vorgänge an der Medizinischen Fakultät nach 1945, insbesondere der Fälle von "Malariatherapie" eine Expertenkommission einzusetzen. Die Frage, ob Behandlungen durchgeführt wurden, die nicht dem damaligen Stand der Wissenschaft entsprochen haben, solle vorrangig behandelt werden. Bereits in der vergangenen Woche war ein Krisenteam installiert worden, an das sich Betroffenen wenden können (Tel. 01/4000-3568). Krankenakten müssen laut Gesetz nur 30 Jahre lang aufbewahrt werden, weshalb jene aus den 60er Jahren nicht mehr existieren.

apa.at

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