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APA-Artikel 9. Februar 2012

Anatomie-Legende Walter Thiel in Graz gestorben

Die Grazer Anatomie-Legende Walter Thiel ist tot. Der renommierte Mediziner war von 1960 bis 1990 Ordinarius für Anatomie an der damaligen Medizinischen Fakultät der Universität Graz und setzte mit der von ihm entwickelten Konservierungsmethode und seinem "Präparationsatlas" Maßstäbe. Wie die Medizinische Universität Graz am Donnerstag bekanntgab, ist der Wissenschafter bereits am 3. Februar verstorben. Seine sterbliche Hülle wird am Samstag im Andachtsraum der Anatomie aufgebahrt.

Thiel wurde am 13. Oktober 1919 in Nordböhmen geboren und studierte Medizin in Prag und Würzburg und nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Graz, wo der Sudetendeutsche 1947 promovierte. 1960 wurde er zum Vorstand des Institutes für Anatomie ernannt, an dem er 30 Jahre lang wirkte und die Ausbildung über die anatomische Kenntnisse von tausenden Ärzten in Österreich verantwortete. Über Jahrzehnte hinweg hat er ein Präparationsverfahren entwickelt, das mittlerweile weltweit Standard ist - die Thiel-Fixierung mit Ethylenglykol: Anders als die klassische Formalin-Fixierung, die das Gewebe härtet, bleibt dabei das Gewebe weich, die Konsistenz, Beweglichkeit und die Farbe des Gewebes bleiben erhalten.

Die Universität Dundee in Schottland, die die Konservierungsmethode evaluiert hat, hat mittlerweile ihr Anatomie-Institut zu Ehren des Grazer Professors in "Thiel Centre of Excellence" benannt. Auf Thiels Präparationsmethode beruht wiederum sein im Jahr 2002 veröffentlichter "Photografischer Atlas der praktischen Anatomie" (Springer Verlag) - ein rund 900 Seiten dickes Werk mit mehr als 400 meist farbigen Fotos der Präparate, der in mehreren Sprachen übersetzt und weltweit verkauft wird, hieß es vonseiten des Grazer Anatomie-Instituts am Donnerstag.

Am kommenden Samstag, 11. Februar, wird Thiel in der Kapelle das Instituts für Anatomie von 9.00 bis 15.00 Uhr öffentlich aufgebahrt. Die Bestattung findet erst am 14. Februar bestattet statt.

apa.at

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