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APA-Artikel 9. Februar 2012

Walter Dorner - Polterer im Auftrag der Ärzteschaft geht

Der Abschied kommt nicht ganz überraschend: Ärztekammerpräsident Walter Dorner (69) war seinem Image als polternder, aber pragmatischer Standesvertreter zuletzt nur bedingt gerecht geworden. Jahrelang - seit 1999 in Wien, seit 2007 österreichweit - hatte er sich für die Ärzte in die Bresche geworfen und versucht, die heterogenen Interessen der rund 40.000 Kammermitglieder unter einen Hut zu bringen. Immer stärker plagten den gewichtigen Mediziner gesundheitliche Probleme, jetzt soll sein Vize Johannes Steinhart die Nachfolge antreten.

Dorner wurde am 1. Juni 1942 in Neunkirchen in Niederösterreich geboren. 1969 promovierte er zum Doktor der gesamten Heilkunde, die Ausbildung zum Chirurgen absolvierte er in Wien. 1976 eröffnete er eine Praxis, 1979 ging er ins Heeresspital. Ab 1981 betätigte er sich in der Wiener Ärztekammer, war Vizepräsident und folgte 1999 dem verstorbenen Michael Neumann als Präsident nach. Ab 1999 war er zudem Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), nach der Wahl 2007 wurde er auch dort Präsident.

Obwohl er aus der ÖVP-nahen "Vereinigung österreichischer Ärzte" stammt, legte sich Dorner in der Zeit der schwarz-blauen Bundesregierung mit Vorliebe mit ÖVP und Wirtschaftskammer an. Der Konflikt eskalierte, als der Hauptverband der Sozialversicherungsträger 2004 die Vertragseinigung zwischen Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) und der Ärztekammer zu kippen versuchte.

Mit Martin Gleitsmann, Wirtschaftskämmerer und damals Verwaltungsratschef im Hauptverband, verbindet Dorner seither eine gut gepflegte Feindschaft, die 2010 im Streit um einen Vertrag mit der Gewerbe-Sozialversicherung SVA gipfelte. Auch mit dem derzeitigen Hauptverbands-Chef Hans-Jörg Schelling lag Dorner regelmäßig im Clinch, wogegen er SPÖ-Gesundheitsministern wie dem jetzigen Ressortchef Alois Stöger durchaus auch positive Seiten abgewinnen konnte.

Auf Konfrontationskurs ging Dorner auch mit der damaligen ÖVP-Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, der er nicht nur eine Geringschätzung der Ärzteschaft und der Bevölkerung vorwarf, sondern sie - angesichts der Kritik an hohen Mammografie-Raten in Wien - auch mit der Frage "Wäre Ihre Brust keine zweite Untersuchung wert, Frau Minister?" vor den Kopf stieß.

Kein Auge trocken ließ der Vater zweier Kinder, wenn er sich für die Honorare der niedergelassenen Ärzte in die Schlacht warf. Sein dennoch guter Draht zur WGKK und deren rotem Obmann Franz Bittner war kein Geheimnis. Deftige Wortmeldungen Dorners gab es immer wieder zur Kassenfinanzierung und zu Kontrolle und Bürokratie durch E-Card oder E-Medikation. Den Hausarzt als Angelpunkt des Gesundheitssystems einzuzementieren, war ihm ein lebenslanges Anliegen.

Die auseinanderstrebenden Interessen der Ärzte unter einen Hut zu bringen, fiel Dorner zunehmend schwerer, 2007 schaffte seine Fraktion nur noch 21 der 90 Mandate in Wien. In Erklärungsnotstand kam er zuletzt, als er der vor allem von den niedergelassenen Ärzten heftig angefeindeten Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) in der Bundesgesundheitskommission zumindest grundsätzlich zustimmte.

apa.at

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