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APA-Artikel 30. Jänner 2012

Resistenzen bei CML geklärt

Bei Chronisch Myeloischer Leukämie (CML) steht an der Spitze der Ursachen das BCR-ABL-Krebsprotein. Die weiteren Stufen des Krankheitsmechanismus sollten über zwei andere Proteine, dem JAK2- Enzym und STAT5, laufen. Bislang ging man davon aus, dass bei einer Resistenz auf BCR-ABL-Hemmer mit neuen Wirkstoffen noch immer JAK2 blockiert werden könnte, doch diese Hypothese ist offenbar falsch.

Das haben jetzt Wissenschaftler vom CeMM (Forschungszentrum für Molekulare Medizin Wien) und der Universität für Veterinärmedizin (Wien) in einer in "Nature Chemical Biology" veröffentlichten Stude bewiesen. "Die Befunde sind für uns eindeutig. Sie widersprechen bisherigen Ansichten", betonten Veronika Sexl (VetMed Uni) und CeMM-Chef Giulio Superti-Furga in einem Gespräch mit der APA. Die Erkenntnis, dass das bei der CML entstandene "Philadelphia-Chromosom" mit dem BCR-ABL-Gen für die Krankheit verantwortlich ist, hat bereits vor einigen Jahren die Behandlung revolutioniert. Das Gen führt zur Bildung des BCR-ABL-Enzyms (Tyrosin-Kinase), welches in weiterer Folge krankhaftes Wachstum der Leukozyten verursacht. Mit dem Wirkstoff Imatinib wurde schließlich ein extrem zielgenauer Hemmstoff entwickelt. Damit wurde die Erkrankung bei vielen Patienten längerfristig erfolgreich behandelbar, wobei es aber zu einer Resistenzentwicklung kommen kann.

BCR-ABL entfaltet seine Wirkung bei dieser Form von Leukämie allerdings nicht direkt. Die bisherige Ansicht war, dass dies durch Aktivierung von JAK2 und danach auch des STAT5-Gens erfolgen könnte. Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler, die nach Medikamenten forschten, um auch bei Imatinib-resistenter Erkrankung noch behandeln zu können, war der Einsatz von Hemmstoffen, welche auf der nächsten Stufe, nämlich dem JAK2-Enzym, ansetzen.

Obwohl sich solche Arzneimittel in Erprobung befinden würden, erwies sich dieser Ansatz teilweise als unrichtig. "Laut unserem Befunden erfolgt zwar die Krankheitsentstehung zunächst über BCR-ABL, JAK2 und schließlich über die Aktivierung des entscheidenden Gens Stat5, doch im Verlauf der Erkrankung ist das JAK2-Enzym schließlich nicht mehr notwendig. Der Einsatz von Hemmstoffen für dieses Enzym mag zwar vordergründig einen Effekt zeigen, der muss aber auf anderen und bisher unbekannten Wirkungen beruhen. Derzeit gibt es keine Grundlage dafür, Leukämiepatienten JAK2-Hemmer zu verschreiben. Wenn wir den Patienten helfen wollen, die nicht auf Wirkstoffe wie Imatinib ansprechen, müssen wir uns stattdessen auf die Entwicklung von STAT5-Hemmern konzentrieren", erklärt Sexl.

apa.at

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