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APA-Artikel 11. Jänner 2012

Keime: Heimisches Hühnerfleisch unbedenklich

Nach dem Fund von antibiotikaresistente Keime in deutschem Hühnerfleisch sind auch österreichische Konsumenten verunsichert, doch das Gesundheitsministerium gab am Mittwoch Entwarnung. "Über 90 Prozent des heimischen Hühnerfleisches ist unbedenklich", sagte Ulrich Herzog, Leiter des Bereichs Verbrauchergesundheit im Gesundheitsministerium.

2010 wurden bei Kontrollen von frischem Hühnerfleisch in Österreich lediglich bei fünf Prozent der gezogenen Proben Salmonellen und bei acht Prozent Campylobacter nachgewiesen, so Herzog."Ein positives Ergebnis", so der Experte, die Belastungsrate sei hierzulande relativ gering.

Wenn Tiere in Österreich mit Antibiotika behandelt werden, dann nur im Krankheitsfall, wie das im Tierarzneimittelkontrollgesetz verankert ist. Die Verantwortung hat hier der behandelnde Veterinär. "Ohne Tierarzt kommen Arzneimittel nicht ins Tier", sagte Herzog. In den 1990er Jahren sei es jedoch noch "state of the art" gewesen, dass Futtermittel regulär mit Antibiotika versetzt worden sind. In Deutschland dürfte dies auch in intensiv bewirtschafteten Regionen der Fall sein. "Das passiert bei uns nicht", betonte Herzog. Der Experte verwies auf die Tatsache, dass hierzulande - anders als etwa in den USA - Antibiotika als Leistungsförderer verboten sind. "Weltweit werden die Standards sehr unterschiedlich gehalten."

Seit 2004 werde mittels Antibiotika-Resistenz-Monitoring die EU-weite Entwicklung beobachtet. "Da sehen wir auch, dass es im Geflügelsektor einen gewissen Anstieg gibt." Durch die Analyse der Verschreibedaten der Tierärzte sei jegliche Entwicklung auf dem Sektor beobachtbar. "Einfach mit der Menge (der Arzneimittel, Anm.) runterzugehen, löst das Problem nicht. Wichtig sei, wenn man weiß, was wie häufig bei wem eingesetzt wird", sagte Herzog. "Erst dann kann man zu steuern beginnen."

Fristen

Wird ein Tier mit Antibiotika behandelt, gibt es gewisse Fristen, bis es vermarktet werden darf, regelt der nationale Rückstandskontrollplan (NRKP). "Unter dieser Wartezeit ist das Produkt nicht verkehrsfähig", erklärte der Experte. Der NRKP ist laut Gesundheitsministerium ein Instrument zur Überwachung und Kontrolle der Verwendung unerlaubter und erlaubter Stoffe in Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen, sowie in Lebensmitteln tierischer Herkunft, wie Fleisch, Milch, Eier oder Honig. Als weitere Maßnahme werden Tiere auch gegen Viren und teilweise auch gegen bakterielle Infektionen geimpft.

Das Hygienemanagement und die engmaschigen Kontrollen haben Wirkung gezeigt: 2010 wurden beim Menschen insgesamt 2.000 Mal Salmonellen nachgewiesen, 2002 waren es noch 7.500, so Herzog.

In Österreich werden in der Veterinärmedizin pro Jahr an die 60 Tonnen Antibiotika verkauft. Dem gegenüber stehen die etwa 5,6 Millionen Großtiere (zwei Millionen Rinder, 3,1 Millionen Schweine, 415.000 Schafe und 89.000 Ziegen) und die jährlich produzierten 5,7 Millionen Legehennen und 60 Millionen Masthühner sowie die Gesamtheit aller Heimtiere (Hund, Katze, etc.). In der Humanmedizin im niedergelassenen Bereich werden pro Jahr etwa 45 Tonnen Antibiotika eingesetzt. Dies entspricht bei einer Bevölkerung von 8,3 Millionen Einwohnern jährlich 9.997.350 Antibiotikapackungen. In Deutschland werden vergleichsweise im Veterinärbereich 784 Tonnen und im Humanbereich 360 Tonnen verkauft.

Laut der Statistik des österreichischen Gesundheitsministeriums wurden im Jahr 2010 exakt 2.135 Salmonellen-Erkrankungen bei Menschen registriert, 2004 waren es hingegen 6.700, im Jahr 2003 sogar 7.582. Laut erst vor kurzem von der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Parma in Italien vorgestellten Daten überschritt die Agrarwirtschaft des "Feinkostlands Österreich" die Zielvorgabe, dass höchstens zwei Prozent der Geflügelbestände mit Salmonellen infiziert sein sollen, bei einer Untersuchung knapp. Vergleichbare Staaten wie Schweden, Irland, Finnland und Großbritannien lagen deutlich darunter.

apa.at

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