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APA-Artikel 10. Jänner 2012

"Gutes" HDL-Cholesterin kann auch "böse" sein

Das vermeintlich "gute" HDL-Cholesterin kann auch "böse" sein, wie Wissenschafter bei einer Studie an der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien herausgefunden haben. Thomas Weichhart und Marcus Säemann von der Abteilung für Nephrologie entdeckten, dass es entzündliche Reaktionen sogar verstärken kann. Diese Ergebnisse könnten die Bewertung von HDL-Cholesterin revolutionieren.

Bisher wurde zwischen "gutem" HDL-Cholesterin und "bösem" LDL-Cholesterin unterschieden. LDL trägt zu Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Hirnblutungen bei, das "gute" HDL schützt davor. Jetzt stellten die MedUni Wien-Experten fest, dass bei Dialyse-Patienten die antientzündliche Wirkung von HDL nicht gegeben ist. "Vielmehr verstärkte das HDL mehrfach die Entzündungsreaktionen und könnte damit die latente chronische Entzündung, die mit einem hohen kardiovaskulären Risiko verbunden ist, erklären", sagte Säemann.

Bei einer genaueren Untersuchung des HDL bei Dialyse-Patienten, also Personen mit Niereninsuffizienz, wurde festgestellt, dass ein bestimmtes Molekül, das sogenannte Serum Amyloid A (SAA), bei diesen Personen deutlich erhöht war. SAA könnte eine sehr wahrscheinliche Ursache für den Defekt des HDL sein. "Wenn man SAA in gesundes HDL einbaut, wird es auch funktionsuntüchtig", erklärte Weichhart.

Die Wiener Forscher sind sich sicher, dass diese Entdeckung die Bewertung von HDL-Cholesterin verändern könnte. Bisher wird ein hoher HDL-Wert als optimal angesehen. "Viel wichtiger als die Menge ist aber offensichtlich die Qualität des HDL. Nicht funktionsfähiges HDL-Cholesterin ist wertlos - selbst hohe HDL-Spiegel wären damit nicht mehr gesund", sagte Weichhart. "Das Senken des LDL-Wertes ist deshalb noch immer wichtiger als das Anheben des HDL-Wertes", so Säemann.

Derzeit ist es allerdings nicht möglich, mit einfachen Tests "böses" HDL rasch zu identifizieren. An der Entwicklung eines derartigen Tests arbeiten Weichhart und Säemann derzeit. Sie haben gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien ein Patent erhalten, um die Veränderungen im HDL mit Hilfe eines einfachen Labortests zu bestimmen und so das Risiko für künftige Herz-Kreislauferkrankungen besser abschätzen zu können - und früher therapeutisch eingreifen zu können.

In den vergangenen Jahren konnte für einige Erkrankungen wie die koronare Herzkrankheit (KHK), den Diabetes mellitus oder die rheumatoide Arthritis gezeigt werden, dass jede Erkrankung offenbar ihr eigenes, charakteristisches HDL besitzt. Weiters kommen einige der im HDL von Niereninsuffizienten neu entdeckten Proteine auch im HDL dieser Erkrankungen vor, wo HDL seine günstigen, anti-entzündlichen und gefäßschützenden Eigenschaften ebenso verliert. "Mit dem neuen Labortest könnte nun untersucht werden, ob verändertes HDL sowohl bei niereninsuffizienten Patienten in einem frühen Stadium ihrer Erkrankung mit einer schlechteren Prognose einhergeht, und ob dies bei Patienten etwa mit Diabetes oder nach Herzinfarkt auch passiert. Damit wäre es mit Hilfe eines einfachen Testprinzips möglich, zu einem frühen Zeitpunkt therapeutisch zu intervenieren und damit die Gesamtprognose entscheidend zu verändern", so die Forscher

apa.at

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