zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 2. November 2010

Gute US-Geschäfte stimmen Fresenius optimistisch

Gute Geschäfte mit Nachahmermedikamenten in den USA lassen beim deutschen Gesundheitskonzern Fresenius die Kassen klingeln. Nach einem kräftigen Ergebnisanstieg im dritten Quartal hob das Unternehmen aus dem hessischen Bad Homburg am 2. November bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognose für 2010 an.

Der Gewinn soll währungsbereinigt nun um rund 20 (bisher 10 bis 15) Prozent steigen, der Umsatz um acht bis neun (bisher sieben bis neun) Prozent. "Alle unsere Unternehmensbereiche haben im dritten Quartal die hervorragende Entwicklung des ersten Halbjahres fortgesetzt", sagte Firmenchef Ulf Schneider. An der Börse kam das Zahlenwerk gut an.

Neben dem stabilen Krankenhaus- und Dialysegeschäft sorgt besonders die Tochter APP für gute Stimmung. Fresenius übernahm die US-Firma 2008, um die Kabi-Sparte zu stärken, die klinische Ernährung und Infusionstherapien herstellt. Der APP-Konzern, der anfangs wegen der verzögerten Zulassung neuer Produkte in der Kritik stand, erhielt 2010 grünes Licht für die Markteinführung sechs neuer Produkte und übertraf damit die Erwartungen von Konzernchef Schneider. "Dieses Unternehmen wird bereits im Jahr 2010 positiv zum Ergebnis pro Aktie von Fresenius beigetragen", sagte er. Anfang des Jahres war Schneider noch von einem leicht negativen Ergebnisbeitrag ausgegangen.

Pannen der Konkurrenz

In den ersten neun Monaten baute Kabi den Gewinn um rund zwei Drittel aus und profitierte dabei auch von Pannen der Konkurrenz: Die Sparte ist derzeit in Amerika alleiniger Anbieter des Narkosemittels Propofol, nachdem die Rivalen Hospira und Teva ihre Konkurrenzmittel wegen Qualitätsproblemen vom Markt nehmen mussten. Das Mittel wird Patienten vor Operationen injiziert und geriet zuletzt im Zusammenhang mit dem Tod von Michael Jackson in die Schlagzeilen. Der Popstar bekam das Mittel den Ermittlungen zufolge vor seinem Tod im Sommer 2009 zusammen mit anderen Mitteln verabreicht.

Auch mit Heparin, einem Dialysemittel zur Hemmung von Blutgerinnung, machte APP gute Geschäfte. Mit dem Mittel hatte Fresenius 2009 wegen Qualitätsproblemen der Konkurrenz ebenfalls mehrere Monate ein Monopol inne, muss seit einiger Zeit aber wieder mit dem US-Konzern Hospira um Markteinteile kämpfen.

Fresenius ist den vergangenen Jahren zu einem global agierenden Firmen-Konglomerat gewachsen und profitiert von der steigenden Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen in Industrie- und Entwicklungsländern. Im Gegensatz zu Pharmariesen wie Pfizer oder Boehringer Ingelheim ist das Unternehmen nicht so stark von der Entwicklung einzelner patentgeschützter Medikamenten abhängig. So steigerte Fresenius den bereinigten Überschuss in den ersten neun Monaten um 35 Prozent auf 495 Mio. Euro, der Umsatz kletterte um 13 Prozent auf 11,8 Mrd. Euro. "Das sind hervorragende Zahlen", sagte ein Händler. Allerdings sehe er wegen der hohen Erwartungen der Analysten nur wenig Potenzial für weitere Kursgewinne.

Höhere Erstattungssätze

Die Fresenius-Tocher FMC, die ebenfalls im Dax notiert ist, behandelte mehr Dialysepatienten und profitierte zudem von höheren Erstattungssätzen in den USA. Der weltgrößte Blutwäscheanbieter erwirtschaftet rund zwei Drittel seiner Umsätze in Amerika und konkurriert dort vor allem mit dem US-Konzern DaVita. In den ersten neun Monaten stiegen die Erlöse um acht Prozent auf 8,9 Mrd. Dollar (6,39 Mrd. Euro), der Gewinn um zehn Prozent auf 707 Mio. Dollar.

Die Quartalszahlen lägen zwar leicht über den Erwartungen, erklärten die Analysten von Kepler. Allerdings sei der Mutterkonzern Fresenius derzeit aufgrund der Kabi-Sparte das attraktivere Investment. Zudem warnten die Experten vor anfänglichen Belastungen durch die Reform des US-Dialysemarktes 2011. Die US-Krankenversicherung Medicare will die Behandlung von Dialysepatienten künftig pauschal abrechnen. FMC-Chef Ben Lipps sagte kürzlich in einem Interview, der Ergebnisbeitrag werde 2011 "neutral bis leicht positiv" sein. Da FMC sämtliche Produkte rund um die Dialyse aus einer Hand anbieten könne, werde FMC ab 2012 aber zunehmend von der Reform profitieren.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben