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APA-Artikel 23. Juli 2010

Hepatitis C als zweite Geißel der HIV-Infizierten

"Jede dritte HIV-infizierte Personen weltweit hat ebenso Hepatitis C", berichtete David L. Thomas von der Johns Hopkins Universität am Abschlusstag der 18. Internationalen Aids Konferenz in Wien. Dabei liege die Co-Infektionsrate von Drogenkonsumenten sogar bei 80 Prozent, bei den HIV-Infizierten, die ihre Krankheit via sexuelle Übertragung erworben haben, hingegen bei weit unter 15 Prozent.

Entsprechend hoch sei die Zahl der auch mit Hepatitis C infizierten HIV-Kranken in jenen Ländern, in denen der Virus vornehmlich unter Drogenkonsumenten übertragen wird: In Russland beträgt die Rate 90 Prozent, in Vietnam fast 100 Prozent, in Taiwan weit über 80 Prozent. Dabei ist laut Thomas zu konstatieren: "HIV macht alle Stadien der Krankheit Hepatitis C schlimmer." Beispielsweise wird ein Leberversagen wesentlich wahrscheinlicher, weshalb die Sterblichkeit deutlich höher liege. "Derzeit werden aber weniger als zehn Prozent der Co-Infizierten geheilt."

Gefragt seien deshalb die Überprüfung von Bluttransfusionen, vor allem aber Spritzentauschprogramme, mit denen unter Drogenkonsumenten beide Krankheiten reduziert werden könnten. "Prävention ist möglich, wird derzeit aber nicht angewandt", bedauerte Thomas. Ein Grund seien fehlende Tests - so wüssten 70 Prozent der Betroffenen in den USA nicht, dass sie die Krankheit hätten. Dabei stehe man medizinisch an einem Wendepunkt, in dem die Heilung von Hepatitis C in wesentlich kürzerer Zeit und mit wesentlich weniger Nebenwirkungen möglich sei: "Es wird der Tag kommen, an dem wir fast alle heilen können, die in Behandlung kommen."

Für einen Ausbau der Heimpflege für HIV-Patienten plädierte Elisabeth Gwyther von der südafrikanischen Hospiz- und Palliativpflege-Vereinigung. "Sie wachen mitten in der Nacht auf und denken: Ich habe HIV, werde ich sterben?", so Gwyther. Ein qualifizierter Ansprechpartner, der in verschiedenen Situationen - bei spirituellen Fragen, der Ernährung und der medizinischen Behandlung - zur Seite stehe, spiele ein große Rolle für den Gesundheitszustand der Betroffenen und die gesamte Familie. Ausbildung, Supervision für das Personal und die Finanzierung von HIV-Heimpflege seien daher wichtig, schloss Gwyther.

Manfred Nowak, UN-Sonderbeauftragter für Folter, wies in seiner Rede am Kongress auf überdurchschnittliche HIV-Infektionsrate in Gefängnissen hin. Notwendig seien Information, HIV-Tests, der Zugang zu Kondomen sowie Spritzentausch- und Substitutionsprogramme. "Insassen mit HIV haben dieselben Rechte auf Behandlung wie andere auch", unterstrich Nowak. Weltweit seien zehn Millionen Menschen inhaftiert, wobei jährlich 30 Millionen die Gefängnisse verließen, berichtete der Österreicher. Der Großteil der Zuchthäuser sei weltweit hoffnungslos überbelegt.

apa.at

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