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APA-Artikel 3. März 2010

Strategien gegen den Stress in der Schule

Irgendwie wird alles zu viel: Der Aufsatz für Deutsch, der Test in Mathe und dann auch noch das Bio-Referat. Gute Leistung in der Schule zu bringen, artet immer wieder in Stress aus. Das verkürzte Abitur hat die Situation noch verschärft. Doch nicht immer ist es das Unterrichtspensum, das einen überfordert.

Mal üben die ehrgeizigen Eltern zu großen Druck aus, mal liegen die Probleme am Lehrer oder an den Mitschülern. Der Stressfalle lässt sich aber entkommen. Erstmal sollte klar sein, wo die eigenen Grenzen liegen und welche Ziele angestrebt werden. Sich über Jahre hinweg widerwillig zum Abi zu quälen, ist keine Lösung. "Es kann besser sein, erst eine Ausbildung zu machen, die einem gefällt", sagt die Beratungslehrerin Christa Becktepe aus Aachen. "Für diejenigen, die später noch einen Abschluss machen wollen, führen auch andere Wege zum Abi - etwa über ein Abendgymnasium."

Wer sich seiner Ziele aber sicher ist, der kann aktiv den Leistungsstress verringern. So ist es im Schulalltag vor allem wichtig, die wesentlichen Dinge nicht aus dem Blick zu verlieren. "Sicherlich mögen viele Freizeitaktivitäten interessanter als das Lernen sein, aber regelmäßiges Lernen geht vor", sagt Norbert Hirschmann vom Landesverband Bayerischer Schulpsychologen aus München. Aufschiebe- und andere Vermeidungsstrategien vergrößern die Probleme nur. "Stattdessen sollte man 'ran an den Speck' mit dem Gefühl: 'Ich schaff's!'"

Oft ist Stress Folge schlechter Organisation. Ein Zeitplan kann helfen, rechtzeitig mit dem Lernen anzufangen, geballte Pauktage zu umgehen und dabei einen individuellen Rhythmus zu finden. Jeder macht es schließlich anders: "Manche setzen sich gleich nach der Schule an die Hausaufgaben, andere müssen erstmal abschalten", sagt Beate Friese vom Jugendtelefon "Nummer gegen Kummer" in Wuppertal. "Wichtig ist allerdings, den eigenen Plan einzuhalten und keine Ausreden zu suchen."

Trotzdem kann es passieren, dass solche Pläne wieder über den Haufen geworfen werden - etwa weil spontan ein Freund anruft, um sich zu verabreden. "Dann sollte man sich am Ende des Tages, vielleicht kurz vorm Schlafengehen, noch einmal überlegen, was man künftig besser machen könnte", rät Friese. Dann noch Hausaufgaben zu erledigen, hält sie hingegen für keine gute Idee.

Wer bei den Hausaufgaben und dem Lernen für Klassenarbeiten allein nicht gut zurechtkommt, kann versuchen, eine Lerngruppe zu gründen. "Zusammen zu arbeiten und sich den Stoff gegenseitig zu erklären, macht einem schnell klar, ob man das Gelernte wirklich verstanden hat", sagt Hirschmann. Auch Nachhilfe kann helfen - vor allem bei großen Lücken. "Dauerhaft ist das allerdings nicht so gut, weil das Gefühl für die eigene Leistung verloren gehen kann", warnt Friese.

Das Internet kann beim Lernen helfen - den Stress aber auch zusätzlich vergrößern. "Am besten geht man möglichst ökonomisch mit dem PC um", rät Hirschmann. "Internet-Recherchen können schließlich auch die Gefahr enthalten, dass man im Material förmlich ertrinkt." Chatten und Mailen wird besser konsequent in die Freizeit verlegt.

Sich mit Gewalt das Lernpensum ins Hirn zu prügeln, bringt allerdings auch wenig. "Wenn einfach nichts mehr in den Kopf geht, dann sollte man sich bewusst entspannen", rät Friese. "Je nachdem, was man zur Entspannung mag - ob Billard spielen, lesen oder Musik hören." Laut Becktepe ist Sport immer noch das beste Mittel, um Leistungsstress abzubauen - vorausgesetzt es ist kein Leistungssport, der wieder neuen Stress erzeugt.

Wem die Arbeit über den Kopf wächst, der sollte sich Hilfe holen - bei Eltern und Freunden, aber natürlich auch bei den Lehrern. "Betroffene können ihnen die Situation erklären, in der sie gerade stecken, und schildern, dass sie wegen des Stresses beispielsweise nicht mehr schlafen oder sich nicht mehr konzentrieren können", rät Becktepe. Dann könne gemeinsam eine Lösung überlegt oder auch ein Schulpsychologe oder Beratungslehrer dazugeholt werden.

Von Sascha Rettig, dpa

apa.at

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